Warum Autocamping total toll ist

Neulich hab ich mich mit Nachbar Steffen über meine aktuellen Reisepläne unterhalten. Norwegen fand er ein gutes Ziel, aber Urlaub im Auto wäre so ungefähr das Letzte. Ich wiederum kann nicht verstehen, dass das jemand nicht toll findet.


Allerdings mach ich schon seit fast 30 Jahren immer wieder Urlaub im Auto… Als ich von ein paar Mark Bafög lebte und verreisen, aber nicht zelten wollte, flogen kurzerhand die Rückbank und der Beifahrersitz aus meinem R4. Ein paar Bretter und sowas ähnliches wie ein Vorratsschrank kamen rein, die Kissen von unserer alten Couch aus dem Keller geholt und los ging es mit meinem ersten Microcamper nach Norwegen.

Inzwischen hab ich schon das 5. Auto mit Schlafgelegenheit. Oder wenn ich meine beiden kurzfristigen Urlaubsautos (Auto in Neuseeland und Leihwagen von Papa) dazu rechne, dann bin ich jetzt sogar schon mit dem 7. Autocamper unterwegs. Auch wenn ich hin und wieder "normalen" Urlaub im Ferienhaus oder Hotel mache, Autocamping ist trotzdem das Schönste.

1. Ich kann kommen und fahren, wie ich Lust und Laune habe
Ich liebe es zu reisen und möglichst viel von einem Land zu sehen. Als Autocamper bin ich mobil und kann da bleiben wo es mir gefällt. Wenn's mir nicht gefällt, zieh ich weiter und muss nicht ständig neu mit dem Aufbau- und Abbau und großen Packaktionen starten. Ich hab mein Haus und alles was ich brauche immer dabei. Wie weit ich fahre, kann ich jeden Tag selbst bestimmen.

Das Reiseziel lässt sich spontan ändern. Anderer Weg, anderer Zeitplan, alles frei. Das geht natürlich auch mit dem Wohnmobil, aber bei einer Reise im Auto mit gebruchtem Hotel nicht. Mit dem Wohnwagen kann es auch schwieriger werden, weil dieser nicht überall stehen darf.

2. Autocamping ist Abenteuer
Keiner den ich kenne, macht Urlaub im Auto, allein das macht es zu etwas Abenteuerlichem.
Wenn ich auf Tour bin, hab ich immer ein ganz besonderes Urlaubsgefühl, das vermutlich nicht jeder nachempfinden kann. Die erste Wildcamping Nacht ist etwas gewöhnungsbedürftig. Ich lausche lange auf die ungewohnten Geräusche. Ab der zweiten Nacht bin ich so müde, dass mir das alles egal ist. Allerdings muss ich sagen, mit zunehmenden Alter ziehe ich doch den Luxus von sanitären Einrichtungen auf einem Campingplatz vor. Meine verrücktesten Übernachtungen waren in einem Wohngebiet in Helsinki, in Mittenwald unter der Karwendelbahn, in Österreich auf dem Parkplatz einer Golfanlage, vor einer Kirche in Dänemark, oben auf dem Berg in Korsika...

3. Einfach mal ein Nickerchen einlegen
Auf Fernstrecken kann man zwischendurch eine Runde schlafen, überall, jederzeit (tags und nachts), ohne den Stress einer Buchung

4. Unterwegs zum Urlaubsziel ohne Buchungszwang oder Stress

Bei festen Reisezielen ist kein Stress nötig, eine Hotelbuchung ist überflüssig, denn eine Nacht im Auto geht immer. Man fährt gemütlich zum Ziel und schaut sich in der Gegend nach Übernachtungsmöglichkeiten um. Heute nichts frei, Ankunft zu spät? Kein Thema, kein Stress, morgen oder woanders.

5. Mit dem Auto kommt man überall hin und rein
Also fast überall. Zum Beispiel auf all die Parkplätze mit Höhenkontrolle, auf die keine Womos kommen, in die Tiefgarage... Es ist kein Problem, in der Stadt zu parken und man kann auf all den tollen, abenteuerlichen Straßen fahren, die für Womos gesperrt sind.

6. Auto-Camping ist preiswert
Weil das Auto klein ist, kann man sich viel leichter ein "kostenloses" Stellplätzchen für die Nacht suchen, als mit einem sperrigen Womo. Oder wenn man doch auf einem Campingplatz übernachtet, ist das um einiges günstiger als mit einem großen Schlachtschiff. Wohnmobil Stellplätze kosten manchmal gar nichts. Einige mit ordentlichen Sanitäranlagen kosten etwa 10 EUR die Nacht. Ankunftszeit meist beliebig. Auch auf Fähren zahlt man viel viel weniger. Und nicht zuletzt, das Auto frisst weniger Benzin als ein Womo.

7. Der Untergrund ist egal
Ob Sand, Rasen, Splitt oder Asphalt, mit dem Auto kann man überall stehen, jeder Untergrund ist perfekt, Hauptsache das Gelände ist einigermaßen eben oder man gleicht es durch Keile aus.

8. Parkplatz suchen und schlafen gehen
Kein nervendes Zelt aufbauen. Parken, Schlafzeugs auf die Matratzen und gute Nacht. Auf Fernstrecken kann man zwischendurch schlafen, überall, jederzeit (tags und nachts), ohne den Stress einer Buchung.

9. Niemals hungrig oder durstig
Ein wohnlich genutzter Camper hat Wasservorrat und Essenvorrat an Bord. Das kann jeder mit seinem Auto, macht es meist aber nicht. Fahr 300 km Richtung Messe, iss zwischendurch etwas Obst und wasch dir die klebrigen Hände, häng das feuchte Handtuch innen auf. Minicamper haben alles dabei.

10. Es ist warm, trocken und gemütlich
Jedenfalls im Vergleich zu einer Nacht im Iglu-Zelt. In meinem Auto hab ich eine gute Matratze, auf der ich wunderbar schlafe. Wenn's regnet oder stürmt, muss ich mir keine Sorgen machen, dass das Wasser reinkommt oder das Zelt weg weht.

11. My Car is my Bathroom
Die nächste Toilette (so man Reise-WC hat) ist nie weiter weg als das Fahrzeug. Wer es nicht nutzt, hat dennoch stets diese Sicherheit im Hinterkopf.

Autocamping ist garantiert nicht für jeden das Richtige. Aber ich find’s herrlich!

PS. Die farblich grauen Argumente hat mir Helmut aus dem Hochdachkombi-Forum geschickt. Dort gibt es jede Menge Autocamper und super tolle Autoausbauten.




Kommentare  

#1 miqumontebello 2016-02-14 10:05
Hallo Dagmar,
Mein Caddy hat folgenden Campingeinbau:
2er-Rücksitz waagrecht, 1er-Rücksitz rausnehmen,
2 Seitenleitern jeweils an die Wand stellen,
trickreich klappende Multiplexplatte drauflegen - nichts verrutscht mehr- Materialkosten < 100 €,
3-teilige Matratze (195x75x15) ausbreiten,
Verdunkelung vorne einhängen,
Verdunkelung hinten bleibt permanent verhängt,
Luxus: Lüftung Seitenscheiben und Heckklappe einbruchsicher!
Unter die Liegefläche vier Klappkisten, Rolltisch etc.
Fertig ist der 1-Personencampe r. Mit Zusatzplatte auch für 2 Personen.
Die Reise nach Nordgriechenlan d (Epirusgebirge) war traumhaft. Dort gibt es fast keine Campingplätze.
Gruß: miqu