Rossi in Schweden...

... ein kleiner Nachbericht, was Rossi in den letzten 4 Tagen unserer großen Skandinavienreise in Schweden erlebt hat und gleichzeitig eine Liebeserklärung an meinen Hund.


Meine große Erkenntnis in Schweden: Rossi ist ein lieber Hund! Ich glaub, ich vergess manchmal, dass ein Hund ein Hund ist und nicht Mr. Perfekt. Und ein Terrier ist noch mal ein ganz besonderer Hund. Ich denk immer: Hm, ist doof, dass er andere Hunde angiftet, dass er nicht zu beruhigen ist, wenn jemand auf den Hof fährt oder an der Tür klingelt und dass er manchmal die Ohren auf Durchzug stellt, weil er gerade eine andere Idee hat. Er würde garantiert keine Gehorsamkeitsprüfungen bestehen, dafür lenkt ihn zu vieles ab. Aber er ist ein treuer lieber Freund, der immer an meiner Seite ist.. Er hat sich sogar mit dem Terror-Kater Anton abgefunden und ist nett zu ihm. Ich könnte mir keinen besseren Hund vorstellen.
 
Nach über drei Wochen Rundreise in Skandinavien kamen wir Anfang August bei Marianne an. Die Begrüßung verlief so: Marianne steht auf der Veranda, Tür steht auf, Rossi springt aus dem Auto, sprintet die Veranda hoch, rein ins Haus und schnurrstracks in die Küche an den Futternapf. Keine Ahnung, woher er wusste dass da einer für ihn steht. Nachdem der Napf leer war, kam er wieder raus und stellte sich, ganz Charmeur, Marianne vor: Ich bin dein neuer bester Hundefreund, weißt du?


 
Er benahm sich wirklich absolut mustergültig: Beim Mittagessen in der Küche lag er brav auf seiner Decke neben der Tür, bettelte nicht, störte nicht, war glücklich mit der Welt und sah aus, als wollte er hier nie wieder weg. Ab und zu kam er mal vorbei und ließ sich ein bisschen streicheln, dann legte er sich wieder hin. Marianne sagt immer wieder: Was hast du für einen lieben Hund. Ich, die ich seine Macken kenne, fing an, die Sache aus Mariannes Augen zu sehen. Da kommt ein fremder Hund zu mir ins Haus und benimmt sich, als wäre er mein eigener. Rossi ist wirklich ein lieber Hund!

Nur am nächsten Tag gab es einen kleinen Zwischenfall. Von den Fliegen genervt flüchtete Rossi durch die Küchentür, die schon seit Stunden offen stand, ins Freie. Ich denk mir nichts, der kommt gleich wieder rein. Als ich fünf Minuten später doch mal nach ihm Ausschau hielt, war er verschwunden. Mist. Auf mein Pfeifen kam er schwanzwedelnd aus der offenen Kirchentür herausspaziert.



Er hat sich halt ein bisschen umgeschaut. Nachdem er schon in der Kathedrale von Salisbury war, wollte er sich mal die Kirche in Hällestad anschaun. Ist klar! Verrückt! Wie kommt der Hund auf die Idee, schnurrstracks in die Kirche zu marschieren?

Nachmittags ging es weiter zu Annja und Calle. Was hab ich mir Gedanken über die Begegnung mit meinem Zweitlieblingshund Casper gemacht.
 


Wie sollte man die beiden einander vorstellen? Im Haus, im Garten, bei einem Spaziergang? Wenn sich die beiden an die Gurgel gingen und sich dann hassen würden, wäre richtig Mist, um es mal so zu sagen.

Alle meine "Wie machen wir das am besten"-Überlegungen, wurden hinfällig, als ich auf den Hof fuhr. Annja kam, Casper kam und freute sich tierisch, mich wieder zu sehen, Rossi freute sich tierisch, Casper zu sehen und wollte nichts wie raus aus dem Auto, um ihn kennen zu lernen. Casper indess wollte nichts wie rein ins Auto, um staubsaugermäßig alle Hundefutterkrümel weg zu putzen, die Rossi im Verlauf der letzten Wochen im Auto verstreut hatte.


 
Rossi hatte nichts dagegen, dass ein fremder Hund in sein Auto einsteigt. Seinetwegen hätte Casper das Auto geschenkt haben können!  



Dann beide draußen ohne Leine, erst großes Schwanzwedeln, dann die Beschnüffelnummer und es passierte, was immer passiert, wenn Rossi beschnüffelt wird: Er machte Casper deutlich, dass er das nicht leiden kann und giftete ihn an.

Casper ist schockiert, er wollte doch nur Hallo sagen. Aber er hat’s kapiert, der Langbeindackel mag keine Aufdringlichkeiten. Also hält er den gewünschten Abstand und alles läuft prima. Es läuft im Grunde sogar perfekt, denn eine von Casper Macken (ganz fehlerfrei ist er halt auch nicht) ist, dass er kastrierte Hunde berammeln will und dann richtig durchdreht. Nach Rossis deutlicher Ansage, versuchte er es gar nicht erst.

Beide Hunde folgten uns in den Garten und liefen einträchtig nebeneinander her, als wären sie seit Jahren alte Kumpels. Was für eine Erleichterung.



Dann gab es ja noch die Katzen… und die freilaufenden Hühner… Um Rossi für diese Begegnungen so richtig schön auszupowern, wurde er erstmal Baden geschickt.



Casper schaute ihm dabei eine Weile zu und dachte wahrscheinlich, dass dieser komische ausländisch sprechende Hund irre ist. Wie kann man in den See springen? Casper hasst Wasser und kann auch nicht schwimmen. Ist das eklig, so klatschnass!


 
Die Begegnung mit den Hühnern war ein bisschen kritisch. Rossi hatte eins entdeckt und wollte in alter Jägermanier hinterher. Annja und ich schrien ihm nach, er bremste sofort ab und kam zu mir zurück. Uff. Was für ein lieber Hund!

Katzen gibt es zwei: Frank (Zappa) und Kungen (der König). Von Frank sahen wir die nächsten beiden Tage nur wenig. Ihm war der fremde Hund suspekt. Der Königstiger Kungen dagegen fand Rossi interessant.


 
Später versuchte Kungen tatsächlich mit Rossi die gleiche Schmusenummer wie mit Casper abzuziehen. Aber das traute sich Rossi noch nicht. Wären wir länger geblieben, hätte Rossi bestimmt das große Kuscheln mitgemacht.

Rossis erste Floßfahrt
Als wir abends auf der Terrasse am Tisch saßen und essen wollten, kamen wir auf die Idee, dass es ein perfekter Abend für ein Floßdinner ist. Annja und Calle haben ein total cooles Elektrofloß mit Esstisch und Stühlen. Allso alles zusammengepackt und mit den Hunden im Gefolge runter zum See.



Casper kletterte als erster auf's Floß, Rossi ohne Zögern hinterher. Wir stachen in See und mein Hund benahm sich, als hätte er schon unzählige Floßfahrten hinter sich.



Casper lag glücklich unterm Tisch, Rossi gleich daneben. Beide ganz entspannt. Keiner von beiden nervte oder war zappelig. Was für ein Abendessen!


 
Später stand Rossi vor einem kleinen Problem: Casper hatte sich seine Schlafdecke angeeignet.


 
Das kratzte Rossi nicht weiter, er teilt gerne (außer es geht um Bälle oder Chappy). Aber wo sollte er sich nun hinlegen? Etwa auf den nackten Fußboden??? Nä! Never! Das Sofa wurde ihm verboten. Er fand eine rossitypische Lösung. Er suchte sich einfach ein Zimmer, wo keiner sieht, dass er auf dem Sofa liegt. Wir hörten ihn die Holztreppe hoch tapsen und dann sahen und hörten wir nichts mehr von ihm. Als wir später nachschauten, lag er auf der Katzendecke auf dem Gästesofa und schlief genauso tief und seelig wie Casper auf seiner Decke. Terrier finden für alles eine Lösung!

Casper ist für mich ein Musterhund. Aber selbst er hat erkennbar einige Macken, die man ihm nicht ausreden kann. Trotzdem ist er einer der feinsten und liebenswertesten Hunde, die ich kenne. Seit ich die beiden zusammen gesehen haben, verstehe ich, dass ich Rossi seine (Terrier)Macken zugestehen muss, das ändert aber nichts dran, dass er ein superlieber Hund ist, genau wie Casper. Annja und ich waren uns einig, dass wir gerne Welpen von Casper und Rossi hätten.


In Sachen Schwimmen konnte Rossi seinen Absprung deutlich verbessern.



 
Ich bin sicher, er fragt sich, warum WIR nicht an einem See in Schweden wohnen können.



Wo er doch jetzt endlich einen richtigen Freund gefunden hat.


 
Nach drei Tagen bei Annja und Calle und Casper ging es weiter gen Süden, um Cousin Werner in Smaland zu besuchen. Was freute sich Rossi, die Verwandtschaft zu treffen. Dabei kannte er nur Werner. Aber er benahm sich, als würde gerade eine irre Wiedersehensparty stattfinden. Das war unser letzter Tag in Schweden und Rossi hatte es noch mal so richtig gut. Die Mädels spielten stundenlang mit ihm Ball. Beide sind im Handballverein und werfen locker 50 Meter weit. Rossi muss zig Kilometer hinter dem  Ball hergerannt sein.

Damit sind wir am Ende der Reise und meiner Liebeserklärung an Rossi. Weil er in Schweden so happy war, hab ich Annjas Gästehaus zum Jahresende gebucht. Wir kommen also bald wieder und Rossi kann mit Casper und den Miezekatzen im Schnee toben… HURRA!