Rossi und der große Rums

Mein Hund Rossi und Autos ist ein sehr spezielles Thema. Dass er nicht gerne Auto fährt, hab ich schon häufiger erwähnt, jetzt ist er auch noch mit einem zusammengerumst. Sprich er wurde angefahren. Wieviel Glück er gehabt hat, darüber will ich lieber nicht so genau nachdenken.


Wir hatten jedenfalls beide einen richtig beschissenen 2. Advent in NRW. Rossi mit Schädeltrauma, Prellungen und einem Riss am Hinterbein. Während ich, der Krise nahe, die Stunden zählte, bis mir nach 24 Stunden Überwachung in der Tierklinik gesagt wurde, dass er okay ist. Weil er zwei verschieden große Pupillen hatte, sollte er zur Beobachtung da bleiben.



Wie sehr man an seinem Hund hängt, merkt man spätestens in dem Moment, wenn es ihm schlecht geht. Ich hatte keine Kopfschmerzen oder eine blutende Wunde, war aber stimmungsmäßig mindestens genauso beschissen drauf wie er.

Um aus der Geschichte eine Klamotte zu machen, gab es auf dem Weg zur Tierklinik noch einen zweiten Rums. Das Auto hinter mir ist an einer roten Ampel auf mich drauf gefahren. Mein Kommentar "Noch blöder geht’s echt nicht", war eigentlich auf die Situation des Doppelunfalls gemünzt. Aber er passte noch besser auf den Unfallverursacher. Er hat nämlich nicht gemerkt, dass er auf mich drauf gefahren ist (ha ha) und tat sehr verwundert, warum ich aussteige und meine Stoßstange begutachten muss. Alldieweil sich seine blonde Püppchenfreundin auf dem Beifahrersitz schlapp lachte.

Immerhin bequemte er sich dann doch mal dazu, auszusteigen, um sich die Sache anzusehen. Ich konnte ihn dann sogar noch davon überzeugen, dass es schön wäre, wenn er mal zurücksetzt, damit der Blick auf meine Stoßstange freigegeben wird. Er setzte exakt 20 Zentimeter zurück. Danach war auch nicht mehr Blick drauf als vorher und ich wurde langsam richtig genervt.

Derweil redete er mich auch noch ständig mit "meine werte Dame" an und dass ich ruhig bleiben solle. Was die werte Dame bis dahin war. Als er schließlich vorschlug, die Polizei zu rufen, wenn die werte Dame das möchte, während sich seine Freundin immer noch schlapp lachte, war ich kurz davor, ihm eine reinzuhaun. Weil das nicht empfehlenswert war und weil mich etwaige Kratzer an der Stoßstange im Moment weniger kratzten als mein angefahrener Hund auf dem Beifahrersitz und ich den Typen auch nicht länger ertragen konnte, ließ ich ihn ziehen. Gott - wer redet Frauen noch mit werte Dame an?

Rossi konnte ich am nächsten Tag wieder aus der Klinik abholen. Große Freude in der ganzen Familie und beim Hund.



Soweit geht es ihm gut, aber die Nacht in der Tierklinik war wohl nicht so doll. Jedenfalls klebte er mir voll an der Backe und rannte die nächsten Tage im 10 cm Abstand hinter mir her, bzw. lag mit dieser Distanz neben meinen Füßen unterm Schreibtisch. Alleine aufs Klo gehen war auch nicht drin.

Außerdem hatte er Hallus. Ich erinnere mich noch gut, wie ich damals nach meiner Gehirnerschütterung lauter Barbiepuppen in meinem Zimmer gesehen habe (ich hatte keine). Rossi sieht wahrscheinlich Sternchen, die gelegentlich um seinen Kopf kreisen. Jedenfalls will er sie fangen.

Seine "medizinische Betreuung", also Schmerzmittel und Antibiotika einflößen und Leckschutz-Socken anziehen, hab ich immer auf einem Schreibtischstuhl vorgenommen. Das hat ihm so gut zu gefallen, dass er jetzt jedesmal wenn ich aufstehe, sofort auf meinen Stuhl springt und nicht mehr runter will. Und wenn ich zu meinem Kollegen rübergehe, schnappt er sich auch da den ersten besten freien Stuhl.

Am Unfallwagen ging ein Kühlergitter kaputt, die Stoßstange hat einen kleinen Riss bekommen und muss natürlich komplett ausgetauscht werden. Schaden laut Kostenvoranschlag 1.200 Euro. Es lebe die Hundehaftpflicht-Versicherung! Und es lebe der Schutzengel der Hunde, dass die Stoßstange größeren Schaden genommen hat als mein süßer kleiner Hund...

Anton - der Kotelett-Kater, den wir vor 1,5 Jahren ins Haus geholt und aufgepäppelt haben, hatte leider keinen Schutzengel. Er rannte 3 Wochen nach Rossis Unfall an einem nebligen Dezemberabend auf die Straße und wurde überfahren. Er hatte leider nur ein kurzes, aber tröstlicherweise ein schönes Leben.

Annäherung...



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