Rossis langwierige Auto-Trauma Heilung

Ausgerechnet ich habe einen Hund mit Autotrauma. Es hat endlos gedauert, ihm das halbwegs auszureden. Die ersten Jahre war es so schlimm, dass ich nicht mit ihm verreisen konnte und ihn im Urlaub bei meinen Eltern abgeben musste. Das hat sein Trauma natrülich noch weiter verstärkt - Autofahren = die lässt mich alleine...

Als Rossi bei mir einzog, hätte ich niiiiie gedacht, dass ein Hund so ein Sensiblchen sein kann. Unser früherer Hund war ganz verrückt auf's Autofahren, wie sollte ich ahnen, dass es auch andere Hunde gibt.

Was hab ich alles versucht, ihm das Auto schmackhaft zu machen. Das klassische Programm von im Auto füttern bis endlos streicheln - Wirkung = Null!




So war es lange Zeit: Zitternd und tieftraurig kam er angekrochen wenn er ins Auto steigen sollte. Wirklich herzzerreißend. Wir fahren los und sein Puls ist rasend. Nach den ersten Kilometern - vorausgesetzt wir fahren eine bekannte Strecke - geht der Puls wieder runter. Aber er hechelt non stop. Außerdem: Er steht die ganze Fahrt! Wenn er gut drauf ist, setzt er sich kurz hin. Hinlegen? Auf gar keinen Fall. Höchstens, wenn ich mal an der Ampel stehe, aber davon hat es leider keine auf der Autobahn...

Ich glaube, er unterscheidet verschiedene Schrecklichkeits-Stufen. Die Fahrt zur Arbeit findet er eh schon doof. Aber muss halt sein und ist ja nicht so lang. Also erst zittern, dann hecheln, an den Ampeln vielleicht mal kurz hinlegen - für 30 Sekunden höchstens. Wenn ich München erreiche, entspannt er sich und legt sich auch schon mal für 500 m hin. Das war die "normale" Fahrt.



Aber es gibt ja noch die schlimmen Fahrten. Die, wenn er erkennt, wir fahren nicht zur Arbeit, sondern weiter weg und länger. Autobahnfahren ist generell viel schlimmer als Landstraße. Da fahr ich schneller und die Fahrgeräusche sind lauter. Dunkelheit ist dann noch mal einen Tick schlimmer und Dunkel mit Regen ist das Allerschlimmste. Oder nein, das Allerschlimmste ist Autofahren im Dunkeln bei Sturm und Schneetreiben. Also Autofahren mit Rossi war lange Zeit wirklich kein Spaß, für keinen von uns beiden.


Besser wurde es, als ich ihn nicht mehr im Urlaub zu meinen Eltern gebracht sondern mitgenommen habe. Der Durchbruch war eine Reise nach Andalusien hin- und zurück über 7.000 km. Spätestens alle 100 km haben wir gehalten und eine halbe Stunde Ball gespielt. Anschließend musste ich ihn zwar jedesmal erst lange überreden, dass er wieder einsteigt, aber ich hab ihm die nötige Zeit gelassen, nie geschimpft, nie gedrängt. Die Reise war die reinste Therapie für uns beide. Schließlich ist er doch immer freiwillig eingestiegen - seine Liebe zu mir war halt doch größer als sein Autohass.



Langsam entspannte er sich ein bisschen... Es war nur wenig Verkehr auf den Straßen, die Fahrgeräusche waren nicht so laut wie sonst. Wenn er sich tatsächlich mal hingelegt hat, hab ich ihn gestreichelt und ihm sogar vorgesungen - mit ihm Reden schien ihn minimal zu beruhigen. Also hab ich ihm erzählt, was für'n toller, tapferer Hund er ist und so weiter. Aber spätestens nach 2 Minuten ging mir immer der Text aus. Da dachte ich, Singen kommt ja auf's gleiche raus...


Am letzten Reisetag musste ich für die Heimfahrt eine Marathon-Fahrstrecke von 1.100 km bewältigen. Alle 100 km Stopp zum Ballspielen, dann weiter. Dann irgendwann, hat er sich endlich hingelegt, den Kopf auf meinen Oberschenkel gelegt und sich entspannt. Unglaublich aber wahr: ER HAT GESCHLAFEN!!!!ls Als das Hecheln plötzlich aufhörte, war das es soo still, dass ich alle Augenblicke geschaut hab, ob er noch lebt.

Irgendwie muss diese Fahrt der große Durchbruch gewesen sein. Ab da wurde es jeden Tag besser. Manchmal schläft er jetzt sogar während der Fahrt. Körperkontakt sucht er allerdings immer noch. Er muss mir seine Nase oder sein Bein an den Oberschenkel drücken, dann geht es. Manchmal fährt er auch auf dem Rücksitz....