Kleine Stinker am Shagpoint

Bevor wir Moeraki wieder verließen, musste ich meinen Eltern noch eine Entdeckung zeigen, die ich während einer früheren Neuseeland-Reise gemacht hatte. Oberhalb der kleinen Ortschaft verläuft ein schöner Wanderweg entlang der Steilküste. Von dort zweigt nach wenigen Metern ein kleiner Ziegenpfad ab, der runter zum Strand geht.


Es ist wirklich nur ein Ziegenpfad, man muss fast auf dem Hosenboden runterrutschen, so steil geht es da runter. Mit Ach und Krach konnte ich meinen Vater zu dieser Kletterpartie überreden, ich wollte ihm unbedingt die Versteinerungen in den Felsen zeigen. Von den Moeraki Bouldern kann man noch und nöcher in Reiseführern und im Internet lesen. Über diese Versteinerungen hab ich nirgends etwas finden können.



Kann sein, dass sie nicht publik gemacht werden sollen, denn hier am Strand nisten auch Gelbaugen Pinguine. Zumindest hab ich damals einen Junior Pinguion in Mauser getroffen, der anscheinend keine Lust hatte, den ganzen Tag auf Mami und Papi zu warten.


Auf unserer Wanderung oberhalb der Klippen treffen wir unsere erste Robbe. Der kleine Stinker liegt unten in den Felsen und schläft.




Oben in den Felsen nisten einige Shags - die neuseeländische Version unserer Kormorane. Dann verlassen wir den Pfad und klettern runter zum Strand. Nicht ganz einfach aber lohnenswert. Der
Sand ist von einem unglaubliche Orange. Er sieht aus wie diese kleinen orangefarbenen Zuckereier, die es manchmal zu Ostern gibt. Die Körnung entspricht auch ungefähr dieser Größe. Allerdings versinkt man mit jedem Schritt knietief und kommt nur schwer vorwärts.



Wie an dem Strandabschnitt mit den Moeraki Bouldern gibt es auch an diesem schwerzugänglichen Strand geologische Besonderheiten zu entdecken: versteinerte Bäume. Wer nach Moeraki kommt, sollte unbedingt den Abstieg wagen. Wobei es wirklich sehr steil und glatt ist, so dass es sicherer ist, streckenweise auf dem Hosenboden zu rutschen, als sich auf die Rutschfestigkeit seiner Schuhe zu verlassen. An diesem Strand finden wir übrigens auch die ersten Paua-Muscheln.



Wieder zurück im Ort stoßen wir noch auf zwei kleine Boulder. Sie waren handlich genug, um sie vom Strand abzutransportieren und so hat sie wohl ein früher Kiwi in seine Hofeinfahrt platziert.

Südlich von Moeraki steht ein kleiner Leuchtturm, der gerne von Pinguin-Watchern angesteuert wird. Morgens und Abends kann man in kleinen Schutzhüten die seltenen Gelbaugen-Pinguine dabei beobachten, wie sie zur Arbeit gehen, bzw. wie sie Abends von der Arbeit kommen, um Jungen zu füttern. Auch Angler suchen die fischreiche Küste unterhalb des Leuchtturms gerne auf.

Die nächsten Stunden, nachdem wir Moeraki verlassen haben, gestalten sich ähnlich wie am Vortrag: Alle paar Kilometer halten wir an, rennen an den Strand und schleppen weitere Kilos Muscheln und Steine zusammen.

Ein paar Stunden später (obwohl nur 100 km Distanz) kommen wir endlich am Shagpoint an - ein Küstenabschnitt nördlich von Dunedin, an dem große Shag-Kolonien brüten. Außerdem gibt es Seehunde und Pinguine. Zum Pinguin-Watching sind in Strandnähe kleine Beobachtungshütten aufgebaut. Weit genug entfernt, um die seltenen Gelbaugen-Pinguine nicht zu stören. Hunde sind absolut verboten.

Am Shagpoint weht eine steife Brise. Der Kontakt zu den Robben ist teilweise so dicht, dass man ihnen die Flossen schütteln könnte. Das lassen sie natürlich nicht mit sich anstellen. Wer zu dicht kommt, wird durch bösen Fauchen und Brüllen verwarnt. Wer meint, dass er ihnen trotzdem noch näher kommen muss, wird in den meisten Fällen erleben, dass sie das Weite suchen. Wenn es ganz arg kommt, können sie auch schnappen.

Während öffentliche Toiletten in Deutschland rar gesät sind oder so verdreckt, dass man sie nicht benutzen mag, sind die Kiwis anders an dieses Problem heran gegangen. Sie haben sich wohl gesagt: Wenn wir in unserer schönen Natur kein unkontrolliertes Anhäufen von Haufen wollen, müssen wir Toiletten aufstellen und sie regelmäßig reinigen, damit sie auch genutzt werden. Egal wo man hinkommt, in jedem Ort und bei jeder Touristen Attraktion gibt es öffentliche Toiletten, die meist kostenlos benutzt werden können. Da unser kleines Wohnmobil (kurz Womo) ohne Toilette ist, sind wir für dieses Engagement mehr als dankbar. Der Zustand der Toiletten ist natürlich nicht immer 1a, aber meistens 1b oder c. Auch am abgelegenen Shag-Point wurde ein kleines Bio-Klo aufgestellt.

Die größte Stadt im Süden Neuseelands ist Dunedin. Die Menschen in dieser Region stammen zum großen Teil von Schotten ab. Das merkt man unter anderem an ihrem Slang, der kaum zu verstehen ist. Da braucht es viel Phantasie, selbst gutes Schulenglisch hilft einem nicht wirklich weiter. Kommunikationsschwierigkeiten an der Tankstelle führen z.B. dazu, dass wir die Fenster geputzt bekommen. Wir hatten eigentlich (so dachten wir) ausgemacht, dass das Öl kontrolliert wird.

Auch an der Bauweise der Häuser zeigt sich das Erbe der schottischen Vorfahren: Robuste Häuser aus dicken Felsquadern, die es sonst kaum irgendwo in Neusseeland gibt. Und dann gibt es natürlich noch die jährliche Mackenzie Highland Show. Zu diesem Anlass holen die Kiwis ihre Kilts und Dudelsäcke hervor und lassen in der neuen Heimat alte Schottentraditionen aufblühen.

Die Besiedlung Dunedins geht ursprünglich auf religiöse Streitigkeiten auf der anderen Seite der Erde zurück. Eine Spaltung der schottischen Presbyterianer brachte die frommen Köpfe der Bewegung auf die Idee, in Neuseeland einen Neuanfang zu machen, dabei sollten "Frömmigkeit, Redlichkeit und Fleiß" an erster Stelle stehen. Im Jahre 1848 gingen dann die ersten 300 schottischen Siedler an Land und gründeten New Edinburgh. Daraus wurde später Dunedin (Edin auf dem Hügel).

Wir tätigen noch ein paar Einkäufe bei den schottischblütigen Kiwis. Dann verlassen wir die Pazifikküste, es geht ins Landesinnere, Tagesziel ist Te Anau. Schon bald türmen sich die schneebedeckten neuseeländischen Alpen vor uns auf. In dieser Region gibt es riesige Hirschherden, die deutsche TK-Truhen mit Hirschfleisch aus Neuseeland füllen. Morgen wollen wir in der Region Fjordland zum berühmten Milford Sound.

Gore ist die zweitgrößte Stadt in der Region Southland. Der Ort ist ein Mekka für Angler, angeblich gibt es hier die weltgrößten Forellen! Wir fahren aber nur durch und knipsen das Wahrzeichen der Stadt, längeres Verweilen ist aus Zeitdruck leider nicht möglich.

In den frühen Abendstunden erreichen wir endlich Te Anau. Der Ort ist der beste Ausgangspunkt für Ausflüge und Expeditionen ins Fjordland. Dementsprechend hat er das Flair einer Touristentrabantenstadt. Die Campingplätze sind (Nachfrage bestimmt den Preis) deutlich teurer als in den letzten Tagen und ähneln einem Auffanglager. Die Caravans stehen in Reih und Glied mit minimalem Abstand nebeneinander. Rucksack-Touristen finden ein Bett in den Mehrfachzimmern eines Backpackers. Wem es nach etwas mehr Intimität dürstet, übernachtet in einer kleinen Einzelzelle in einem riesigen Gebäudekomplex.

Als Ausgangspunkt für die Reise ins Fjordland ist Te Anau perfekt, denn danach kommt die nächsten 120 km nichts mehr und davor ist auch nicht viel außer Weideland für Hirsche. Von einem hübschen Urlaubsort kann man allerdings nicht reden, auch wenn der Ort an dem schönen Lake Te Anau liegt.