[06] Gozo, die kleine grüne Nachbarinsel

Für den vierten Tag hatte ich ich zur Abwechslung mal konkrete Pläne: Ich wollte rüber zur Nachbarinsel Gozo. Das geht ganz flott: Zum Hafen fahren, auf die Fähre rauf, eine halbe Stunde später ist man da. Und das beste, man muss für die Fahrt nicht mal bezahlen. Jedenfalls nicht auf dem Hinweg - kassiert wird auf dem Rückweg.


Auf dem Weg nach Gozo kommt man an Comino vorbei. Aus der Nähe ist die dritte bewohnte Malta-Insel doch ein bisschen größer und interessanter, als es von Malta aus scheint. Das Türmchen ist der St Mary’s Tower. Gleich daneben befindet sich eine ehemalige Quarantäne-Station in der die wenigen Dauerbewohner von Comino leben sollen. Wikipedia spricht da von drei Insel-Bewohnern. Wer weiß, ob das stimmt... Im Norden der 3 qkm großen Insel gibt es außerdem noch ein Hotel und eine Bungalow-Siedlung sowie einen Campingplatz, die aber nur in der Saison betrieben werden.

Interessant ist die Insel wohl vor allem für Taucher, die Steilküste ist mit zahlreichen Höhlen durchsetzt. Als ich nach Comino Fotos gegoogelt hab, bekam ich vor allem Unterwasser-Bilder gezeigt. Zu erreichen ist die Insel per Fähre vom Hafen Mġarr (Gozo) und Ċirkewwa (Malta) - den beiden Häfen, zwischen denen auch die Fähre Malta / Gozo fährt.



Blick auf Ghajnsielem und den Hafen Mġarr



Mein erster Eindruck von Gozo war: Etwas übersichtlicher als Malta, man kann sich leichter orientieren. Aber erste Eindrücke täuschen bekanntlich gerne. Mit meiner grottenschlechten Karte hatte ich auch hier Probleme, die richtige Richtung bzw. das gewünschte Ziel zu finden. Und das, obwohl Gozo an der längsten Stelle gerade mal 14 km lang ist. Ich bin dann zwar immer überall hingekommen - ich hatte ja Zeit - aber gelegentlich nervte es doch, dass ich nicht wusste, wo ich überhaupt bin. Nein, ich brauch keinen Navi - ich muss einfach nur ein bisschen Geld in bessere Landkarten investieren und nicht mit der Gratis-Karte vom Flughafen umhertingeln.


Auch auf Gozo ist der britische Einfluss nicht zu übersehen. Nach einigen typisch südlichen Straßenzügen, ist man plötzlich in einer besseren Londoner Wohngegend angekommen. Bloß dass die Häuser aus Sandstein sind.



Im Vergleich zu Malta gibt es auf Gozo mehr Landwirtschaft und die Insel ist grüner. Das liegt daran, dass Gozo mehrere unterirdische Wasserreservoirs hat und sich auf dem unfruchtbaren Kalkstein mehr fruchtbare Erde abgelagert hat. Die Felder sind zum großen Teil terrassenförmig angelegt. Die Insel ist noch nicht so stark auf Tourismus ausgelegt und urtümlicher, wenn man das so sagen kann.


Mit 67 qkm ist Gozo nun wirklich nicht groß. Aber an Kirchen mangelt es auch hier nicht. Vielleicht bauen die Malteser einfach gerne große Kirchen? Auf alle Fälle hat Gozo ein eigenes Bistum mit 15 Pfarreien! Auf 67 qkm!!! Unten die Basilika ta’ Pinu ist eine Wahlfahrtkirche, die nach einer Marienerscheinung in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut wurde.



Ich war nur vor der Kirche, nicht drin. Irgendwie hatte ich nicht genug Energie für Kirchenbesichtigungen. Und hätte ich mit einer angefangen, hätte es kein Ende mehr genommen, bei den vielen Kirchen.



Von der Basilika startet ein Kreuzweg mit 13 Stationen. Dabei geht es einen recht steilen Hügel hoch. Der Weg ist aus grobem Schotter und wird von den Gläubigen barfuß gegangen! Ich bin ihn weder mit noch ohne Schuhwerk gegangen, dazu war ich leider viel zu schlapp. Sollte ich nochmal nach Gozo kommen, werde ich das nachholen. Die Figuren sind aus weißem Marmor und sehr schön gearbeitet.



Die nächste Kirche... Ich frag mich, wie die diese riesigen Kirchen voll kriegen?



Über ein supersteile Straße gelangt man in die Xwejni Bay. Ich hatte schon etwas Bedenken, ob ich da wieder hochkommen werde. Zum Glück gibt es auf der anderen Seite der Bucht eine weniger steile Zufahrt, so musste ich da nicht wieder hochgurken.



Warum man unbedingt in die Xwejni Bay fahren sollte? Hier gibt es Salinenfelder (teilweise 300 Jahre alt), in denen im Sommer noch Salz abgebaut wird. Ich war total fasziniert. Dazu sind die Salinenfelder auch höchst fotogen...





Das Meerwasser wird zunächst in die tieferen Becken geleitet, damit sich die Verunreinigungen ablagern. Dann wird das Wasser etwa 10 cm hoch in die einzelnen Pfannen verteilt und die Sonne kann ihren Job machen. Innerhalb einer Woche verdunstet das Wasser, bis eine feuchte Salzmasse übrigbleibt. Die wird mit Besen zusammengekehrt und abbtransportiert.









Verarbeitet und gelagert wird das Salz in den kleinen Felsenhöhlen, die in den Sandstein geschlagen wurden....

















In der Xwejni Bay gibt es auch eine kleine Badebucht, wo ich diese beiden Ladys traf. Wäre es mir besser gegangen, hätte ich mich zu ihnen gesellt. Aber allein die Vorstellung, Klamotten ausziehen, Badeanzug anziehen... überstieg schon meinen Energievorrat. Zwar ging es mir an dem Tag relativ gut, soll heißen ich war schmerzfrei. Aber ansonsten war ich schlapp wie ein Waschlappen.





Nach ein paar Hügelüberquerungen gelangt man in die Ramla Bay. Hier gibt es den größten und schönsten Badestrand auf Gozo.



Der Sand hat eine wunderbar rötliche Farbe.



Und selbst am Strand trifft man Santa Maria...



Noch ein paar letzte Fotos von Gozo, gegenüber sieht man schon wieder Malta.







Comino...



Als ich wieder auf Malta war, hatte ich die originelle Idee, zum Sonnenuntergang in die Klippen hinter dem Red Tower zu fahren...



Diese Idee hatten auch andere. Wir saßen praktisch dicht an dicht in den Felsen und warteten