Tour de Dolomiti

Das Schwierigste am Reisen, finde ich, ist Phase 3. Das Packen! Die Entscheidung zu fällen, ja, ich gehe auf Reisen, ist das einfachste. Phase 2, die Planung, ist die spannendste. Schließlich wird es Zeit zu packen und das Reisevergnüngen artet in Stress aus.


Um mir bei meinen geplanten 20 Wochenendtouren in diesem Sommer nicht jedesmal kurz vor Abfahrt den Reisespaß zu vermiesen, hab ich ein total ausgeklügeltes Konzept ausgearbeitet. Das sieht folgendes vor:

1. Wenn ich Montags von einer Tour zurückkomme, fahr ich erst noch einkaufen und frische die Vorräte auf, bevor ich nach Hause fahre. Zu dem Zeitpunkt hab ich den besten Überblick, was fehlt und gebraucht wird. Und so bin ich schon bei Rückkehr bereit, gleich wieder loszufahren.

2. Ich hab immer ausreichend Vorrat und Kleidung im Auto, für mindestens drei Tage. Dazu hab ich mir einen Vorrat an 10 graumelierten T-Shirts zugelegt, die nach dem Waschen immer im Kleiderschrank aufgefüllt werden. Graumeliert ist nach meiner Erfahrung am unempfindlichsten.

3.Was ich gebraucht / aufgebraucht habe, hole ich alles gleich bei Rückkehr aus dem Auto und stopf die Wäsche (Kleidung, Spüllappen, Handtücher, Betwäsche usw) in die Waschmaschine. Sobald die Wäsche fertig ist, räum ich sie wieder ein.

4. Ich fahre direkt Freitagabend nach der Arbeit los und campiere die erste Nacht im Radius von max 100 km. Den Übernachtungsplatz suche ich schon vorher aus. Er muss mir + meinem Hund gefallen.

Soviel der Vorrede.

So bin ich nun am Sylvensteinspeicher gelandet und habe meine Tour de Dolimiti gestartet. Das Wetter ist ja gerade in ganz Deutschland ganz große Kacke mit Sturzregenfällen und Überschwemmungen allerortens. Deshalb dachte ich, ich bring ein paar Berge zwischen mich und das schlechte Wetter und fahr in die Dolomiten.

Die Idee scheint aufzugestehen. Bis Bad Tölz hat es so weltuntergangsmäßig geschüttet, dass ich schon dachte, jetzt wegfahren ist eine saublöde Idee. Ab Lengries, immer dichter auf die Alpen zu, wurde es besser und besser. Der Himmel kam wieder zum Vorschein. Und oben am Sylvensteinspeicher erwartete uns eine berauschende "After Regen"-Stimmung mit tiefhängenden Wolken und der Sylvensteinspeicher mit spiegelglattem tiefgrünem Wasser.



Der Sylvensteinspeicher ist übrigens ein sehr beliebtes Motiv auf deutschen Landkarten / Reiseatlass. Ich kannte ihn quasi schon als Kind, ohne zu wissen, wo er ist.


Ich kenne keinen anderen See, der so grün ist wie der Sylvensteinspeicher. Gut, der Forggensee hat auch eine wunderbare grüne Farbe durch den Lech, aber der Sylvensteinspeicher ist noch einen Tick grüner. Meine Meinung.





Rossi ging gleich baden und hat ein paar hundert Bälle aus dem See gerettet.





Los, wirf!





Mir ist das Wasser noch zu kalt. Schließlich wird der Sylvensteinspeicher von der Isar gespeist und die ist so ungefähr der kälteste Fluss, den ich kenne.

In Fall gibt es einen gebührenpflichtigen Nachtparktplatz, auf dem die ganzen Caravans stehen, Etwas weiter hinter Fall geht rechts ein Schotterweg zum See runter. Da hab ich nun meinen Stellplatz gefunden. Sonst stehen hier auch immer einige VW-Busse und campen. Aber heute haben wir das ganze Areal für uns alleine.

Seit ich letzte Woche von der ersten Dokker-Tour zurück gekommen bin, hab ich noch ein paar Verbesserungen am Campingausbau vorgenommen. Das letzte Matratzenteil hat einen Bezug bekommen und an die Gardinen hab ich Klettband genäht. Letzte Woche hatte ich den Stoff nur schnell im Auto zugeschnitten und dann unversäubert und mit selbstklebendem Klettwand "aufgehängt". Jetzt ist das alles ein bisschen ordentlicher. Ansonsten blieb nicht viel Zeit für große Otimierungen. Ich war ja nur 4 Tage zu Hause, bevor ich heute wieder losgefahren bin.

Leider will mein Surfstick nicht an meinem Notepad funktionieren, so bin ich die nächsten Tage wieder ohne Internet. Außer ich schau mal bei Mc D vorbei. Nun ist es 22 Uhr, es ist dunkel und ich werde Schlafen gehen. Notiere: für die nächste Tour muss ich mir ein paar Filme zur abendlichen Unterhaltung organisieren.

Next morning Samstag

Ich weiß nun, warum ich den Parkplatz ganz für mich alleine hatte. Er ist mit Übernachtungsverbot belegt. Das weiß ich, seit mich Rossi um 6 Uhr früh geweckt hat und mir knurrend mitteilte, dass ein Auto gekommen ist. Ein Mann stieg aus und fotografierte mein Auto und Kennzeichen. Als er weg war, hab ich noch mal gründlicher nach einem Campingsverbot gesucht und es tatsächlich auch gefunden. War sehr dezent angebracht.



Ich bin sauer, ich hab gestern abend wirklich ausgiebig nach einem solchen Verbot gesucht und es kompiett übersehen. Beim Rausfahren hab ich dann auch entdeckt, dass an der Einfahrt ein Schild mit Parkverbot zwischen 21 und 6 Uhr steht. Was kostet wohl Parken im Parkverbot? 20 oder 30 Euro?

Ich war jedenfalls so sauer, dass ich umgehend abgefahren bin und mir ein paar Kilometer weiter einen Parkplatz ohne Verbot gesucht habe, um dort in Ruhe weiterzuschlafen.

Der Sylvensteinspeicher ist auch am frühen Morgen total verwunschen.







Frühstück am Achensee mit frischen Semmeln. Herrliches Wetter und ein badevergnügter Hund, der scheinbar für die hunlympischen Schwimmturniere trainiert. Er ist fit wie ein Turnschuh, im Ballretten kann ihn keiner schlagen. Hund glücklich, ich glücklich.







Unterwegs im schönen Pinzgau.



Über den gelben Elefanten auf Skiern hab ich mich ein bisschen gewundert. Soll das heißen, wenn selbst ein Elefant Ski fahren kann, schaffst du das auch?



Krimmler Wasserfälle. Was mir ja in Österreich total auf die Nerven geht, ist der Drang, aus jeder Naturschönheit, die eigentlich der ganzen Menschheit gehören sollte, einen kostenpflichtigen Event machen zu müssen. Aus dem Wasserfall wurde eine Wasserwelt, und die zu erleben kostet natürlich saftig Eintritt!



Eigentlich wollte ich schnurstracks in die Dolomiten. Auf dem kürzesten Weg sind es von München nur 240 km bis Bozen. Knapp 100 km hatte ich gestern schon bis zum Silvensteinspeicher geschafft. Also sollte man denken, 140 km an einem Tag - Kleinigkeit.

Außer man kommt auf die geniale Idee, dass man kein Geld in eine österreichische Autobahnvignette investieren, nicht über Innsbruck und nicht (alternativ) über den Felberntauerntunnel fahren will. Das erste aus Prinzip, weil die Österreicher nicht nur ne schweinsteure Vignette haben, sondern auch noch an jedem Tunnel und jedem Berg abkassieren. Das zweite, weil ich die Strecke laufend fahre und ab und zu was anderes sehen will. Und das dritte, weil der Tunnel langweilig ist und 11 Euro kostet.

Das brachte mich auf die Idee, wenn es schon unmöglich ist, in Österreich mautfrei durch die Alpen zu kommen, dann kann ich ja auch gleich über die Großglockner Hochalpenstraße fahren. Die ist zwar noch teurer, aber da sieht man mehr als in einem doofen Tunnel. Außerdem konnte ich bei der Gelegenheit auch nach meinen Murmeltieren schaun, ob die schon ihren Winterschlaf beendet haben.

Nicht bedacht hatte ich dabei, dass die Österreicher auf fast jedem Pass abkassieren und dass zwischen Silvensteinspeicher und Großglockner Straße noch der blöde Gerlopass liegt. Den zu überfahren kostet inzwischen 9 Euro. Plus (mittlerweile) 35 Euro für die Großglocknerstraße. Einmal schnell durch Österreich kann echt teuer kommen...

Großglockner der dritte...

Ohne Helmkamera geht's eigentlich gar nicht. Ich brauch sowas unbedingt für die Motorhaube!






Meine Murmeltiere waren wirklich schon wach. Und total hungrig.







Oben auf der Edelweißspitze, dem allerhöchsten Punkt auf der Großglocknerstraße. Von hier hat man eine tolle Rundumsicht.



Abheben in den Wolken und schnell noch ein Selfie....



Hier oben kann man sogar übernachten. Zimmer ab 39 Euro.



Von der Edelweißspitze geht es wieder runter und dann gleich wieder hoch zum eigentlichen Pass.





Der Murmeltierflüsterer sieht aus wie mein kürzlich verstorbener Onkel Burkhard in jungen Jahren.



Murmeltiere hab ich diesmal noch und nöcher gesehen. Überall! Weil das Gras noch nicht so hoch und so grün war, konnte man sie besser ausmachen als im August. Teilweise sah man sie auch über Schneefelder flitzen.



Das Wetter war total klar, aber es hingen ein paar fette Wolken am Himmel (die sich später auch entluden) und die Sonne war meistens von Wolken versteckt. Das hat anscheinend dazu geführt, dass die meisten Leute gedacht haben, nee, kein Wetter für einen Ausflug in die Berge. Im Juni sind natürlich auch noch nicht so viele Urlauber unterwegs. Jedenfalls hatte ich die Hochalpenstraße fast für mich alleine. Gut, das ist natürlich etwas übertrieben, aber es war sehr wenig Verkehr.





Jipiieh, endlich wieder im Schnee.





Der Blick zurück zeigt eine fette Wolke, die immer näher kommt.





Sie nimmt leider die Sicht und bringt eine Stunde Regen mit sich.



Durch den wenigen Verkehr konnte ich nicht nur die Geschwindigkeit selbst festlegen, sondern auch auf der Straße halten, um die Steinböcke in den Hängen zu fotografieren. Ja, Steinböcke! Gaaaanz viele. In mehreren Herden. Irre! Ich hab mich wie Bernhard Grzimek auf Afrika-Safari gefühlt. Bei der ersten Begegnung war ich schon ganz hin und weg. Aber auf der Rückfahrt von der Franz Josef Höhe entdeckte ich eine noch größere Herde...





Kehre 3 ist ein Kraftort mit gesundem Wasserfall.





Rechts die Franz Josef Höhe



Die Sissi und der Franz...



Rossi wollte sich kurzfristig mal selbstständig machen. Hab's ihm aber verboten.



Etwas trübe Aussicht auf den Gletscher







Der Button zum Abflug ins Orbit?



Fast! Ein Foto-Auslöseknopf.



Ein gutes Foto ist jede Mühe wert!



Das Boot ist aus Bronze!



Noch mehr Steinböcke. Die können klettern!



Etwas weiter unten direkt neben einer Straße, die man runterfahren konnte, graste eine riesige Steinbockherde







Die Murmler waren auch unterwegs.



Das größte waren aber die Steinböcke, die hatten wirklich überhaupt keine Scheu.







Schlussendlich hab ich gefühlte 300 Steinbockfotos geschossen, während ich 16 Böcke (vielleicht waren auch Mädels drunter, keine Ahnung) weniger als 10 Meter direkt vor der Nase hatte.











Der war der coolste, der saß die ganze Zeit faul aufm Hintern.





Haus von Familie Murmeltier.





Die Kühe waren auch gerade auf dem Weg nach oben



Ein Batzi, der sich wohl etwas selbstständig gemacht hat. Freilaufende Gebirgschweißhunde dürften sonst eher selten sein.



Der Jungfernsprung.



Man mag es kaum glauben, aber ich habe es tatsächlich geschafft, innerhalb eines Tages die Dolomiten zu erreichen. Zwar war ich am Abend noch auf österreichischer Seite, aber die Berge heißen Dolomiten sehen auch so aus. Um 20 Uhr bin ich in Lienz (Osttirol) angekommen und hab mir einen Campingplatz gesucht. Nach dem Besuch am Sylvenstein wollte ich heute eine ruhige Nacht und die Option so lange schlafen zu können, bis ich keine Lust mehr dazu habe.

In Ostirol leuchteten die Herz Jesu Feuer auf den Bergen. Der Brauch geht auf die Napoleonkriege zurück, als die schlecht bewaffneten Tiroler nicht mehr weiter wussten und die Idee eines Pfarrers aufgriffen sich dem "Heiligsten Herzen Jesu" anzuvertrauen, um so göttlichen Beistand zu erhalten. Hat anscheinend gewirkt. Die Tiroler sprechen nicht französisch und den Brauch gibt es bis heute. Am nächsten Vormittag kam ich Sillian in eine der Herz Jesu Prozessionen.



Ach ja, der Campingplatz war cool. Aufenthaltsraum, Küche und Spülraum, Pool, Top Sanitärräume mit richtig großen Kabinen und Klopapier (in Frankreich letzte Woche gab's keins), schöne Anlage... Einziger Schönheitsfehler, man muss für alles extra bezahlen: Duschmünzen, Kochmünzen, Strom, Voucher fürs W-Lan usw.



Vorbreitungen zum Frühstück.



Es gbt in Butter gebratene Breze mit gebackenem Camenbert und köstlichen Tomaten.



Die Herz Jesu Prozession in Sillian.



Jetzt ging es so richtig in die Dolomiten. Mal ehrlich. Berge sind supertoll. Aber Dolomiti-Berge sind noch supertoller. Finde ich.

Keine Ahnung, über wieviele Pässe ich gefahren bin. Es waren seeehr viele mit unendlich vielen Tornanten.



Rossi schickt meiner Mutter Grüße aus der Drau. Ha ha.
An der Drau hatten wir vor 30 Jahren mal eine Übernachtung mit Überraschung. Gerade als wir total zerknauscht aus dem Auto kletterten und uns der Morgentoilette widmen wollten, fuhren die Waldarbeiter vor und haben nicht schlecht gestaunt...



Langzeitbelichtungsexperimente





Rossi zum Thema Weiterfahren.



Stummer aber deutlicher Protest!











Noch mehr Murmeltiere.









Ja, und das war's dann schon fast, aus die Maus. Von Sankt Ulrich bin ich Richtung Autobahn gefahren und war ab Klausen tatsächlich innerhalb von 3 Stunden zu Hause.



Insgesamt bin ich dann doch wieder 800 km gefahren, obwohl die Dolomiten gar nicht so weit sind.

Kurz vor Östtereich entdeckte ich, dass die Italiener total lustig! sind. Wenn sie streiken, streiken sie. In dem Fall kam ich auf der Autobahn an ein Mauthäuschen, aus dem mich kein Mensch anlächelte, um mein Geld entgegenzunehmen. Sondern ein Schild informierte: Geschlossen. Streik.

Ja ganz cool. Die Ampel stand auf grün, die Schranke war offen. Okay, dann soll das wohl heißen "zieh weiter und sieh, dass du Land gewinnst." Ich gehe davon aus, dass ich in den nächsten Tagen nicht nur einen Brief aus Bad Tölz bekommen werde (Parken im Parkverbot) sondern auch aus Italien...

Kommentare  

#2 Dagmar* 2016-06-09 10:06
Dankeschön, freu mich wenn andere Spaß beim Lesen haben :)

Durchs Brixental ist sicherlich der bessere und günstigere Weg zur Großglockner Hochalpenstraße . Wenn man sich vorher überlegt, wo man langfahren will und nicht so wie ich ganz spontan entscheidet, dass derFelberntauer ntunnel langweilig ist ;)

LG Dagmar
#1 FisMic 2016-06-07 20:47
Schöner Bericht und wieder mal schöne Bilder dazu.
Statt durchs Zillertal und über den Gerlospass, könnte man auch bis Wörgel fahren, anschließend durch das Brixental bis Kitzbühel und von dort über den PassThurn und weiter zur Großglockner Hochalpenstrass e.