Lost in Polen

Die Überschrift ist natürlich ein bisschen übertrieben, ich bin nicht in Polen verlorengegangen. Aber ich hatte die Entfernungen völlig unterschätzt. Auf der Karte und bei Herrn Gockel schaut das immer ganz entspannt aus.

650 km, kann man gut an einem Tag schaffen. Außer es sind polnische Kilometer. Also kurz gesagt, ich hatte es nicht geschafft und war nicht da, wo ich eigentlich sein wollte - an den masurischen Seen. Und um dahin zu gelangen, wo ich nun stattdessen war, hatte ich elendlange 14 Stunden gebraucht.

Okay, es gab natürlich mehrere Unterbrechungen. Erstmal musste ich eine Stunde lang frühstücken und mein Auto von Nacht auf Tagmodus umstellen. Das fand irgendwo auf der grünen Wiese statt. Schon um 6 hatte ich den Campingplatz verlassen, war links in die Karpaten - sorry Erzgebirge - abgebogen und hatte eine frischgemähte Wiese gefunden, in der Rossi Frühsport treiben konnte und ich mein Zeugs erledigen. Von Zähneputzen bis Bettzeugs wegräumen.







Rossi hatte sich derweil in irgendwelchem Kram gewälzt. Tippe auf tote Maus, die liegen ja gerne mal in gemähten Wiesen rum. Deshalb gab es kurz darauf den nächsten Stopp an einem Bach, wo Rossi baden geschickt wurde. Hat ihm Spaß gemacht, aber danach war ihm kalt (14 Grad Außentemperatur) und ich musste tatsächlich die Heizung im Auto anstellen.



Dann kam die polnische Seite des Erzgebirges. Da machte das Kucken und langsam fahren noch Spaß.



Später wurde es etwas öde. Nach etwa 5 Stunden gleiche Landschaft setzte plötzlich eine Niesattacke ein (Heuschnupfen), ich musste eine Cetirizin einwerfen und es dauerte nicht lange, bis ich kurz vorm Einschlafen war. Mittagspause! So von 1 bis 3 waren wir in einem sehr schönen polnischen Wald und haben gepennt.



Nicht die ganze Zeit natürlich. Rossi hat ein paar Bäume zerlegt und ich hab den Campingkocher angeworfen und eine Dose Ravioli in die Pfanne gehaun - der Campingklassiker schlechthin, oder? Und Dosenwürstchen und Miracoli muss man natürlich auch dabei haben.


Früher war das Auto immer brechend voll mit Raviolidosen wenn es nach Skandinavien ging. Heute krieg ich sie kaum noch runter. Aber die eine Dose Ravioli musste mit und war gut. Ein Teil von der Soße landete auf meinem Bein, auf dem neuen Autotisch und auf dem Fußboden. Jetzt war wenigstens alles eingeweiht und sah nicht mehr so unbenutzt sauber aus.

Um 17 Uhr hatte ich ENDLICH die Autobahn erreicht, die von Berlin nach Warschau. Die Autobahn Berlin / Warschau ist hübsch geworden, ist allerdings mautpflichtig. Es wird auf die spanische Weise abkassiert - alle 50 km eine Mautstation, wo man sein Geld los wird. Jedesmal saß eine Wasserstoff-Blondine im Mauthäuschen. Insgesamt hab ich für die 300 km etwa 10 Euro gezahlt. Immerhin billiger als in Italien...

Wäre ich direkt die Strecke Berlin / Warschau gefahren, hätte ich ich bestimmt einen halben Tag eingesparrt. So mal grob geschätzt. Und dann wäre ich wahrscheinlich bis zu den Masurischen Seen gekommen. Stattdessen strandete ich etwa 30 km nördlich von Warschau auf einem Natur-Campingplatz mit 2 Dixieklos. Und noch weniger Dusche (gar keine) als auf dem gestrigen Campingplatz in Tschechien. Kostete dafür aber auch nur die Hälfte. Und weil ich nur Euros hatte, hab ich auf meine 5 Euro 10 Zloty zurückbekommen. Die hab ich gleich in Salzstangen (Paluschki) und ein Kittkat angelegt und hatte immer noch 5 Zlotys, die am folgenden Tag zu einem Hamburger von Mc Dingens werden würden.

Manfred hatte mich dran erinnert, dass ich bei meiner Reise ins Land der Mitternachtssonne ja keine Taschenlampen oder künstliches Licht im Auto brauche. Stimmt! Also hatte ich fast alle Lichtspender wieder ausgepackt und saß nun in Polen im dunklen Auto, wo es keine Mitternachtssonne gibt. Nicht ganz einfach, unter solchen Arbeitsbedingungen einen Reisebericht zu verfassen. Das Autolicht konnte ich auch nicht anmachen, in meinem Auto gibt es nix elektronisches, wenn die Zündung aus ist. Doofes Auto.

Auf dem "Campingplatz" schlich eine Katze herum, die unserem Anton ziemlich ähnlich sah. Ich hatte sie Rossi gleich als Anton verkauft, aber er hat sie trotzdem auf den nächsten Baum gejagt. Ich war übrigens die einzige auf diesem lustigen Parkplatz mit den Dixieklos und einem Eisenschloss an der Schranke.

Der Naturcampingplatz gehört zu einem von der EU geförderten Naturprojekt. Ich hab's mir nicht ganz durchgelesen, aber auf den Bildern waren u.a. ein Elch und Luchs zu sehen, ein eingezeichneter Wanderweg und das Zeichen Hundeverbot.




Ja, da saß ich einsam und alleine auf dem dunklen Naturcampingplatz mit 2 Dixieklos und fühlte mich total "Lost in Polen". Gut, dass ich am nächsten Tag, wieder auf den rechten Pfad gekommen kam und Happy in Masuren war.