Die Versöhnung mit den Tschechen

Die Tschechen und ich, wir sind uns die letzten 10 Jahre nicht so richtig grün gewesen. Seit jener Nacht, als die Polizei über 200 Euro von mir wollte, weil ich aus Versehen auf die Autobahn gefahren war und keine Vignette hatte. Wusste ich nichts von, ehrlich.


Nachdem ich (damals vor 10 Jahren) den ganzen Tag auf Schilderfahrt durch die letzten böhmischen Dörfer gekurvt war, stand da nichts von Vignette, als ich auf die Autobahn fur. Zwei Ausfahrten weiter wurde ich deshalb mein Geld los.

Wobei ich noch das "Glück" hatte, dass die Polizisten mit sich verhandeln ließen. Große und lange Unschuldsbeteuerungen und Diskussionen über die Verhältnismäßigkeit dieses kleinen Vergehens gegenüber einer "richtigen" Straftat. Ich glaub, ich kam mit 150 Euro davon. Immer noch ein unglaubliches Geld. Und die beiden Jungs behielten meine sämtlichen Papiere, bis sie mein Geld hatten. Ich musste von der Autobahn runter, zur nächsten Tankstelle und Geld holen. Erst dann bekam ich Führerschein und Perso zurück und konnte weiterfahren.

Seit dem hatte ich einen großen Bogen um Tschechien gemacht. Und bei meiner Reise gen Baltikum hatte ich für Tschechien auch nur einen schnellen Durchreisetag eingeplant.

In der Ecke, wo ich damals unterwegs war, fand ich es landschaftlich eher langweilig. Irgendwie hab ich total übersehen, wie schön Tschechien ist. Und auch wenn mir 1.000 Leute erzählt haben, dass Prag eine ganz tolle Stadt ist, musste ich mich erst verfahren und mitten durch die Stadt irren, um das nicht länger als typisches Touristengewäsch abzutun. Es ist bestimmt die schönste Hauptstadt weit und breit. BESTIMMT!

Also ich mein jetzt nicht den Stadtkern. Der ist eh toll. Die ganze Stadt von Anfang bis Ende, inkl. der "nicht so interessanten" Ecken fand ich vorzeigbar. Auch die Stadtteile, wo die Touristen normal nicht hinkommen. Wenn ich da an andere Hauptstädte denke... Meine Schwärmerei mag daher rühren, dass die Sonne gerade im Westen noch mal voll aufstrahlte und die vor mir liegende Stadt in ein fantastisches goldenes Licht tauchte. Aber es hätte mir bestimmt auch ohne Sonne gefallen.

Eigentlich wollte ich die erste Nacht im polnischen Erzgebirge auf einem Campingplatz übernachten. Tja, und dann (sowas passiert einem schon mal, wenn man kein Navi hat), war ich mitten in Prag. Nach einer Stunde war ich aber schon wieder draußen. Was ich angesichts der grottigen Ausschilderung eine tolle Leistung fand.

Aber Prag ist auch mit System gebaut. Wenn man nach Osten will und die Sonne grad im Westen untergeht, muss man nur schaun, dass die Sonne einigermaßen im Rücken bleibt, wenn man sich an Kreuzungen für links/rechts/geradeaus entscheiden muss. Das hat tatsächlich gut geklappt. Ab und zu hab ich auch ein paar Schilder gesehen, die mir den richtigen Weg bestätigten.

Auf alle Fälle wurde es nichts mit der schnellen Durchfahrt durch Tschechien und Übernachtung in Polen. Stattdessen blieb ich auf einem Autokemp am Fluss Jizera kurz vor der polnischen Grenze.

Alles voller kleiner Zelte, haufenweise Boote, viele Kinder, Hunde, Gitarrenspieler und Lagerfeuerchens vor den Zelten. Die beiden vom Zelt nebenan suchten zweitstimmig zur Gitarre nach immer schieferen Tönen. Also richtig viel Remmidemmi, aber schön und alle sehr nett, dass richtig ein Gemeinschaftsgefühl aufkam.



Der Campingplatz scheint der ersten Pfadfinder Stunde entsprungen zu sein: 3 Toiletten für 300 Leute und eine Wasserrinne im Freien zum Zähneputzen. Die Toiletten waren so winzig, dass man rechts und links mit den Schultern anstieß und sich vorne den Kopf anhaute - Aua




Rossi musste genauso viel zahlen wie ich und das Auto noch etwas mehr + Kurtaxe. Herausgekommen ist so ein Betrag von 5 Euro. Da will ich nichts sagen, dass Rossi genauso teuer war wie ich ;-)

Ich hab Rossi abends noch im Jizera baden lassen. Danach lag er zwar leicht feucht im Bett, aber was nimmt man nicht alles in Kauf, damit der Hund glücklich ist... Er hatte ja auch wirklich einen ziemlichen Kacktag. Nur Auto fahren und das bei knapp 30 Grad im Schatten.

Aus dem Bett knurrte er dann alle dunklen Männer an, die an meinem Auto vorbeikamen. Was in der Dunkelheit praktisch jeder war! Nur die Kinder, die mit Taschenlampen und Angler-Leuchtstäben auf dem Spielpaltz rumtobten, waren ihm noch unheimlicher.

Kleines Problem zur Abendstunde: Die blöden Hecktüren im Auto ließen sich nicht von innen öffnen. Da blieb nur, Hund auf die Seite schieben, über den ganzen Krempel turnen und zur Seitentüre raus. Schiet!

Am nächsten Tag war ich dann Lost in Polen.


Kommentare  

#1 Reisebig 2015-07-13 09:37
Notieren für den nächsten Hochdachkombi: Komme ich auch zur Hecktür raus wenn ich drinnen bin :lol:

Weiterhin einen schönen Urlaub !