Tierische Annäherungen

Zweiter Tag in Iznajar... Ich hatte mich wirklich riesig auf das Ferienhaus gefreut und bin so enttäuscht von dem Eiskeller. Zudem ist es heute sehr diesig. Die Sonne kommt nicht richtig durch. Das ist insoweit von Bedeutung, als ich beim Frühstück auf der Terrasse (wo es minimal wärmer ist als im Haus - es sind etwa 8 Grad) ebenfalls friere und eiskalte Finger bekomme.




Gestern Abend hab ich noch Clarissa angerufen, dass sie sich ja warme Sachen einpacken sollen, damit sie die Nacht ohne Erfriererscheinungen überstehen. Ich hab die Klimaanlage lange laufen lassen, damit es wenigstens halbwegs erträglich im Schlafzimmer ist. Ich bin sooo froh, dass ich meine Bettdecke mitgeschleppt hab, das Bettzeugs des Hauses besteht aus einem Fanellbettlaken (immerhin Flanell!) und einer kratzigen Wolldecke. Wahrscheinlich bin ich der erste Wintergast hier oder es hat sich noch keiner vor mir beschwert, wie kalt es ist. Oder glauben die, die Klimaanlage bringt das Schlafzimmer auf Wohlfühltemperatur?

Nachdem ich das Licht ausgeschaltet hatte, war es stockdunkel. Aber so was von Stockdunkel! Gelegentlich haben die Hunde gekläfft, aber ich hab beschlossen, dass das nicht bedeutet, das jemand mit unlauteren Absichten ums Haus schleicht und ich mir Sorgen machen muss. Für ängstliche Mitmenschen wäre die Übernachtung in diesem Haus wohl nicht das richtige. Die Toilette ist übrigens außerhalb des Hauses. Es gibt sogar zwei Badezimmer. Das eine befindet sich am hinteren Ende der Terrasse, wo es in den Olivenhain geht. Das andere in einem Vorbau am vorderen Ende der Terasse.

In der Hausbeschreibung stand, dass der nächste Nachbar 500 Meter weg ist. Ich weiß nicht, wer der nächste Nachbar sein soll. Im Olivenhain gegenüber steht eine halbverfallene unbewohnte Ruine. Die ist hoffentlich nicht gemeint. Dann das nächste Haus ist weit außer Sicht und Rufweite. Ich bin aber trotzdem nicht ganz alleine hier. Der Vermieter rödelt in seinem Olivenhain rum und unten an der Staße sind irgendwelche Bauarbeiten in Gang.




Nachdem ich die ganze Zeit rummecker, muss ich jedoch zugeben, dass ich bombig geschlafen hab. Stockdunkel, kein Lärm und das Klima in diesen dickwandigen Häusern scheint sehr gut zu sein, keine verstopfte Nase wie in den Etaphotels.

Rossi ist von unserem Haus im Olivenhain begeistert. Also nicht von den beiden Bellos hinterm Haus, zu denen ist er ziemlich garstig - er giftet sie regelrecht an und macht einen auf hochnäsig. Aber ich schleuder ihm seinen Quietscheball den Weg runter und er freut sich wie Jule, dass er hinterher rennen darf. Ab und zu landet der Ball auch im Olivenhain und rollt den Abhang runter. Dann sieht man Rossi wie ein Phantom durch die Bäume schießen.



Außerdem hat er heute Spezial-Chappi bekommen, die gute Dose, die ihm Dolores für die Reise geschenkt hat.



Die beiden Jungs hinterm Haus haben wieder ein bisschen was von Rossis Trockenfutter bekommen und sich wie verrückt gefreut. Ich hab mir die Sache so schön geredet, dass ich es für die Hunde nichts besser mache, wenn ich abreise. Wenn ich ihnen die Woche, die ich hier bin, ein bisschen Futter zum Aufpäppeln gebe, hilft ihnen das wahrscheinlich mehr.



Der eine der beiden Hunde (Bild oben) ist noch ziemlich jung und noch nicht völlig verängstigt und versuchte mich vor lauter Freude anzuspringen. Er kam noch mit seiner Schnauze an meine Hand. "Noch" nicht auf den Abstand bezogen sondern auf seine Zutraulichkeit. Streicheln kann man ihn jedoch nicht. Zuviel Angst. Der ältere ist noch ängstlicher und hält einen großen Sicherheitsabstand. Als er mir die Kaustange aus der Hand nahm, war er in Fluchtbereitschaft. Aber was freute er sich über die Kaustange. Aufgeregt rannte er mehrere Runden mit der Stange im Maul herum. Warf sie hoch, sammelte sie wieder ein, rannte wieder eine Runde, kaute ein bisschen drauf rum, warf sie hoch...



Nach dem Frühstück hab ich ein bisschen was von meinem Zeugs aus- und umgepackt und die Dusche ausprobiert, die durch eine Gasflasche warmes Wasser kriegt. Tatsächlich, das Wasser kam heiß aus dem Duschkopf. Danach war mir ein bisschen wärmer und ich hab noch ne Weile gelesen, bevor ich gegen 16 Uhr Richtung Malaga fuhr, um Clarissa und Malis vom Flughafen abzuholen.

Die Fahrt bis Malaga dauerte zwar nur eine Stunde, und der Fliege sollte um Mitternacht landen (landete dann aber erst kurz vor 1) aber ich wollte mir den Weg bei Tageslicht anschaun, damit ich dann auch wieder zurückzufinde. In dieser Hinsicht, war es eine gute Entscheidung. Hinsichtlich der 7 Stunden Wartezeit im abendlichen Malaga war es eine doofe Idee.


Für ein Sightseeing war es schon zu spät, es dämmert bereits und die Straßen waren restlos überfüllt. Ich hab mir die Zeit mit ein bisschen Shopping, spazieren und im Auto unter einer Parkplatzlampe lesen vertrieben. Irgendwie wurde es einfach nicht später. Bei Ikea war ich auch noch, von dort kam ich mit einer Flasche Ketchup und Glögg wieder raus. Schwedischer Glögg (noch dazu alkoholfrei) - das hat was, im andalusischen Winter!



Irgendwann war es dann endlich Zeit, zum Flughafen zu fahren, wo ich noch mal über eine Stunde warten musste. Rossi fand es da doof und wollte nicht auf dem kalten Boden liegen - was ich verstehen kann.

Nach langer, langer Zeit konnte ich endlich Clarissa und Malis in die Arme schließen und Andalusien war gleich viel schönerer und das Haus nicht mehr ganz so kalt. Zu dritt friert man einfach besser.