Pro Finne ein See

Die erste Woche meiner Nordland-Reise war etwas stressig gewesen, weil ich für die 3.000 km bis zur Fähre in Tallin nur 6 Tage einkalkuliert hatte. Das Gefühl, tun und lassen zu können, was ich will, weil ich ja Urlaub habe, stellte sich erst in Finnland langsam ein.

Daran haben auch die Finnen ihren Anteil. Ich finde, sie sind einfach besser drauf, lebenslustiger und kommunikativer als die Polen und Balten. Alle begrüßen dich mit einem Hej und lächeln dich an. War echt nett auf dem Campingplatz. Es waren nicht viele Leute da, aber die waren alle sehr kommunikativ. Das hat mir die letzte Woche doch ein bisschen gefehlt - jemand, der mit einem reden will, und mit dem man reden kann, weil man eine gemeinsame Sprache findet.

Was ich auffällig finde - im Vergleich zu den Balten: Die Finnen haben massenweise Kinder. Mindestens zwei, meistens drei. Im Baltikum hab ich mich echt schon gefragt, wo die ihre Kinder verstecken? Alle im Ferienlager? Ich hab gelesen, dass die Letten und Litauer eine extrem niedrige Geburtenrate haben. Das sieht in Finnland anders aus - wo man hinkommt und hinschaut, vergnügte Kinder. Die Papas sehen manchmal ganz schön wild aus - langer, zerzottelter Pferdeschwanz und langer Bart - Erik der Wikinger lässt grüßen. Aber wie diese Wilden mit ihren Kiddies umgehen, ist liab.

Ich hab mir ja vorgenommen, diesmal möglichst viele finnische Seen zu beschwimmen und bin deshalb von Helsinki ostwärts Richtung Russland gefahren, um so mitten durch die Seenplatte zu fahren. Letztes Mal war ich im mehr Westen unterwegs. Die russische Grenze ist etwa 30 km entfernt. 170 km sind's bis St. Petersburg. Aber ohne Visum geht ja nichts.

Heute morgen hab ich Überreste von der 1.200 km langen Salpa (Blockade) Linie gesehen, die die Finnen 1940 auf die Schnelle angelegt haben, als die Russen anrückten.



720 Bunker wurden gebaut und 200 km Panzerblockaden (siehe oben). Der eine Bunker war geöffnet und zur Besichtigung freigegeben.





Rossi hat derweil den Wald auseinander genommen



In Lappeenranta (einfaches A, doppel P und doppel E) fand an diesem Wochenende ein Festival statt. Am See waren verschiedene "Belustigungen" aufgebaut. Das interessanteste waren die Sandkunstwerke. Bilde ich es mir ein, oder sind die alle sehr russisch angehaucht? Einstein und Superman und dazwischen diese sozialistischen Heldentypen. Man konnte umsonst auf das Gelände - wenn man keinen Hund an der Leine hängen hatte ;-)) Aber war auch außerhalb der Umzäunung cool anzusehen.









Rossi konnte in Lappeenranta sein erstes Bad des Tages nehmen. Mangels Stöckchen oder Ball, wollte ich ihn zum Schuhapport (Crogs) motivieren. Aber er hat den Pantoffel nur doof angeschaut und ich musste selber ins Wasser und meinen linken Schuh retten. Gut, dass ich die kurze Hose an hatte und nicht so weit geworfen hab. So kam mit halb nasser Hose davon.



Hinter Lappeenranta war eine schöne Badestelle, wo wir zusammen schwimmen konnten. Nichthundehalter verstehen das wahrscheinlich nicht, aber es ist ein wirklich schönes Gefühl, wenn dein Hund neben dir in den See rausschwimmt. Es ist nicht selbstverständlich, dass dein Hund das macht. Hat was von Verbundenheit und Vertrauen.

 



Zur Belohnung, weil er so tapfer war, gab es bestes finnisches Hau Hau, mit 95% Fleischanteil. Ich glaub, ich hatte noch nie gekauftes Futter, in dem tatsächlich soviel Fleisch drin war. Hat er weggefressen wie nichts!





Schwimmen, Runde 3!



Eine gute Landkarte ist etwas wert. Dies schreibe ich in einem Moment, in dem ich völlig irritiert auf ein fehlendes Stück Straße schaue. Etwa 300 Meter gehen ab, dazwischen ist Wasser. Davon hat die Karte kein Wort gesagt. Ich befinde mich auf ehemals russischem Gebiet (bis 1809) und warte auf eine kleine Fähre, die mich nach Schweden rüberbringt. Ja Schweden - vormals, bevor es Finnland wurde. Immer diese komplizierten Landumverteilungen. In Teilen von Finnland wird bis heute schwedisch gesprochen und in Südfinnland sind die (Verkehrs)Schilder zweisprachig.

Die Fährmeister hatten eine 20 minütige Pause, dann ging es weiter und ich kam kostenlos ans andere Ufer. Jetzt steht ich bei Hesburger auf dem Parkplatz und nutze schnell deren WIFI. Mc Dingens gibt es hier nur selten und ich hab in der nächst größeren Stadt nach knapp 100 km keins gefunden.

Die finnische Seenplatte ist toll. Sooo viel Wasser. Fotografisch kann man das gar nicht festhalten...
Und ich bin super Mücken-zerstochen. Ich sollte mein Anti-Muck auch anwenden! Nur die Haxen, da stürzen die sich sofort drauf.