Geselliges Wildcampen in Finnland

Leichen pflasterten ihren (meinen) Weg. Ich saß schwitzend auf einem Schlachtfeld und hoffte, das es vorbei war. Hoffentlich hatte ich alle erwischt. Wildcampen kann Spaß machen, aber auch total ätzend sein, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist.

Genau dort schien ich im Urlaub 2015 ständig zu sein, an lauter falschen, mückenverseuchten Orten. Ich war in den letzten 30 Jahren etwa 50 Mal in Skandinavien (Norwegen, Finnland, Lappland, Ferienhaus in Schweden...). Ich hab also schon einige Mücken getroffen und weiß, dass es verschiedene Arten von Stechviechern gibt und dass sie lokal oder temporär in unvorstellbaren Massen auftreten können. Aber was ich diesen Sommer (vor allem) in Finnland erlebt hab - Mücken überall und zu jeder Tageszeit, das war echt ne heftige Nummer.

Typische Wildcamping-Action in Finnland: 5 Milliarden Mücken warteten darauf, dass ich ausgerechnet auf ihrer Lichtung übernachten würde. Der vergnügliche Abend verlief so: Ich saß im Auto fest und konnte außer Lesen und über Mücken schreiben nicht viel tun. Jede Aktion im Freien war gestrichen - wegen des vielen Histamins, das ich nicht in meinem Blut haben wollte.

Die finnischen Mücken waren nicht nur schneller als die in Litauen/Lettland, sondern auch schlauer. Irgendjemand muss ihnen erklärt haben, wie man in das Moskitonetz von unten einsteigt, sich dann langsam hocharbeitet, bis man am offenen Fenster angekommen ist und an den Blutspender kommt. Das Moskitonetz hat sie nicht geringsten davon abgehalten, zu mir ins Auto zu kommen. Ich konnte die Fenster nicht mal einen Spalt öffnen. Gut, dass es nicht so heiß war.

Diana hat mir von der Theorie vom 100sten Affen erzählt. Einer entdeckt was neues. Wenn dann eine bestimmte Population (eben 100) raus hat, wie es geht, können es die anderen, ohne dass man es ihnen zeigen muss. So eine Art übertragenes Wissen durch geistige Verbundenheit oder so. Bei den Mücken funktioniert das offensichtlich. Sie waren eindeutig schlauer als vor 6 Jahren, als ich das letze Mal in Finnland wildcampen war.

Außerdem sind sie drauf gekommen, dass man am besten von unten angreift, weil Mensch seine Augen in der Höhe hat und gar nicht mitbekommt, was unten abgeht. Meine Füße waren total zerstochen. Als ich einmal an mir runter schaute, traf mich fast der Schlag. Ein paar hundert Mücken umkreisten meine Knöchel. Jetzt verstand ich die vielen Mückenstiche und das unerträgliche Gejucke. Fenistil half da gar nichts mehr. Vielleicht auch, weil Rossi the dog es immer wieder runterleckte. Was ich ihm naürlich verbot. Oder hätte ich machen lassen sollen? Früher hab ich mir auch mit Spucke beholfen, wenn's gejuckt hat.

Da saß ich also mit geschlossenen Fenstern im Auto auf einem ausgedienten Forstweg, der für Rodungsarbeiten angelegt worden war. Eigentlich ein perfekter Standplatz, wenn man denn das Auto verlassen könnte und nicht mit geschlossenen Fenstern schlafen müsste...



Mann, was für ein Ärger, dass man wegen den blöden Mücken nirgends länger als 5 Minuten bleiben konnte. Finnland ist total schön. Nur diesen Sommer fand ich es gar nicht toll.

Einige Fotos, des Tages...

Der Telataipale Kanal wurde 1790 gebaut, als dieser Teil Finnlands noch zu Russland gehörte und die Russen eine Schiffsflotte auf dem Saimaa See betrieben. Um die Seen miteinander zu verbinden, wurden insgesamt 4 Kanäle gebaut.





 
Der Kanal wurde 2003 restauriert, ist jetzt aber noch nur für niedrige Boote befahrbar ;-)



Wunderbarerweise haben die Supermärkte in Finnland auch Sonntags auf. Weil Finnland im Osten liegt, sind sie uns eine Stunde voraus. Das ist gut zu wissen, wenn man sich wundert, warum die Geschäfte abends so unplanmäßig früh geschlossen haben.





Spielerei mit Langszeitbelichtung.



Tolles Licht auf die Birken.



Und Rossi the dog muss mal wieder baden gehen.
Ich wäre gerne mit ihm geschwommen, hatte aber keine Lust, den Mücken mehr unbekleidete Stechzone als nötig anzubieten.



Landschaftlich änderte es sich langsam, es wurde ein bisschen bergiger.



Da schwammen die künftigen finnischen Blockhäuser oder Ikea Regale, oder was draus werden würde...