Orientierungslos in den Wolken

In der Nacht hatte es sich zugezogen und geregnet. Schlecht für die Stimmung aber mein Auto sah wieder etwas sauberer aus. Am Morgen hingen die Wolken noch so niedrig, dass die Welt mehr oder weniger verschwunden war.




Ich konnte mich dummerweise nicht mehr erinnern, ob ich am Abend von rechts oder links gekommen war und in der dicken Wolkensuppe ließ sich nichts erkennen, das mir bei der Orientierung geholfen hätte. So fuhr ich erst in die richtige Richtung, glaubte mich aber in der falschen, drehte, fuhr in die falsche, erkannte, dass es die falsche ist und drehte ein weiteres Mal. Dann hat's aber gestimmt. Peinlich.



Seit ich Senja verlassen hatte, gab es landschaftlich keine besonderen Highlights. Die Küste entlang Richtung Narvik war eher langweilig und ich war leicht abgenervt, weil es nirgends, während 3 Stunden Fahrt, einen Campingplatz gab. Und dann waren die ersten beiden total überfüllt und gar nicht schön. Der dritte war toll aber geschlossen, beim vierten hab ich mir eine Hütte genommen. Und weil ich grad ein richtiges gutes Buch in der Hand hatte, hab ich bis morgens um 4 durchgelesen. Hüstel. Nun hab ich immerhin doch schon 3 Bücher im Urlaub gelesen!

Narvik hab ich liegenlassen, die E10 Richtung Kiruna und Lulea zweigt schon einige Kilometer vorher links ab. Kurz vor der schwedischen Grenze waren wir ein bisschen im Fjell wandern. Ohne Mücken!











Wieder in Lappland. Weil's so doll geregnet hat und die Wolken alles verhüllt haben, hatte ich irgendwann die Nase voll und hab mich Nachmittags schlafen gelegt. Wollte erst weiterfahren, wenn man wieder was von der Welt sieht. Außerdem war ich nach der langen Lesenacht etwas müde. Hüstel...

Artgerechte Trollhaltung...

Zum Glück kam die Welt abends wieder zurück.



Rossis Bellen hat mich geweckt. Nicht, weil die Welt wieder da war, sondern weil auf dem Parkplatz ein "Mitcamper" vorgefahren war. Ein Hochdachkombi aus Sonneberg (Thüringen). Die beiden waren gerade dabei, ihr Auto zur Küche umzugestalten. Sah interessant aus. Also dachte ich, wenn schon mal ein ausgebauter Hochdachkombi neben mir parkt, sagste mal Tach. Die hatten ein richtig professionell ausgebautes Auto. Mit versenkbarer Küche. Während sie im Auto hockten, standen zwei große Töpfe auf dem Herd. Ich muss draußen kochen. Bzw. ich hab nur 3 mal in 3 Wochen gekocht, weil mir die Mücken immer um die Suppe flogen.

Insgesamt wirkte das Raumkonzept in deren Hochdachkombi besser als in meinem. Wenn ich wieder zu Hause bin, muss ich mir ein paar Sachen anders überlegen. Größter Schwachpunkt ist der hintere Einstieg. Das "Wohnkonzept" ist für einen hinteren Einstieg, nicht durch die Seitentüren konzipiert. Dabei haben wir außer Acht gelassen, dass sich die Türen nicht von innen öffnen lassen. Selbst wenn ich sie nur angelehnt lasse, rastet da irgendwas ein und ich komm nicht mehr raus - also nur durch die Seitentüren, die aber zugebaut sind. Verrenk...

Wenn man viele Kilometer durch Lappland und den Norden gefahren ist und dann auf Kiruna zuhält schockt es einen etwas.

Tagelang Natur vom reinsten und dann mitten im Nichts totale Industrialisierung. Kiruna gibt es nur wegen der Eisenerzmine - die größte unterirdische Eisenerzemine der Welt. Fast im 5-Minuten Takt donnern die Eisenbahn-Waggons gen Narvik. Der Guardian hat ausgerechnet, dass man mit der täglich geförderten Eisenmenge 6 Eiffeltürme bauen könnte.

Die Stadt selbst ist... recht trostlos, man ist schnell durch mit dem "Stadtbummel". In den letzten Jahren wurde nichts mehr gemacht. Weil die Eisenmine Richtung Stadt zieht, soll Kiruna komplett umgesiedelt werden. Da baut man natürlich nichts mehr. Im Spiegel ist dazu ein interessanter Artikel erschienen.





Interessante Schornsteine für ein Wohnhaus...





Man beachte das Fußgänger Weibchen ;-))



Die beste Gehhilfe im Winter.



Eine Pizza mit Getränk unter 10 Euro - Schweden ist deutlich billiger als Norwegen!



Ein Elch, ein Elch. Selten gesichtet und schwer "spontan" zu fotografieren..



Die Nacht hab ich auf einem alten Forstweg verbracht - wie erwartet umkreisten Mücken mein Auto. War aber nicht so schlimm wie in Finnland. Ja, nun bretter ich weiter nach Lulea. Noch etwa 100 km bis dahin und dann noch 1.000 bis Hällestad :-((

Die nächsten Tage wird es wohl nur wenig zu lesen geben. Internet ist in Nordschweden nicht so leicht zu finden. In Kiruna hab ich nach 4 Versuchen quer durch die Stadt aufgegeben. Es gab keine Fastfoodkette und nicht mal beim Scandic Hotel ging was ohne Zugangsdaten. Und wenn ich dann in Hällestad bin, wird's auch nix mit Wifi. Glaub nicht, dass Marianne sowas hat. ;-)




Kommentare  

#4 Manou 2015-08-09 08:51
Tolle Bilder und interessanter Reisebericht! Vielen Dank dafür!
Und Rossi hat sich wacker geschlagen 8)
Kommt gut wieder heim.
#3 Dagmar* 2015-08-04 19:24
Dankeschön :)
Ich bin ja eigentlich schon am Ende der Reise. Morgen ist mein letzter Tag in Schweden und dann geht's heim :)
#2 Claudia 2015-08-04 18:14
Deinen Reisebericht hab ich mir bis jetzt schon 3x durchgelesen. Es ist, als ob man selber Beifahrer bei dir wäre. Gute Fahrt weiterhin.
#1 Reisebig 2015-07-31 20:25
mmmhhhh Banane, Ananas und Schinken ... dann mal guten Appetit !