Schräger Einblick in die Vergangenheit

Wenn du denkst, dein Urlaub geht dem Ende entgegen, du bist auf der Rückreise und es passiert nicht mehr viel - dann such dir einen Abenteuer-Campingplatz und die Welt ist plötzlich ganz schön schräg.




Das ist 100% wörtlich gemeint. Der Boden in meiner historischen "Hütte" ist dermaßen schief und naturbelassen, dass die Holzbank nicht nur einen Schlag nach rechts weg macht, sondern auch nach hinten kippt. Schon nach 2 Minuten jaulte mein Rücken rum, dass er gefälligst in eine gerade Haltung gebracht werden möchte. Auch das Stehen und Gehen in der Hütte ist irgendwie mühsam - Stolpergefahr und Schräglage. Ja, die alten Zeiten waren hart.




Aber von außen sieht es total knuffig aus. Der Eingang ist original niedrig.



Der Schlüssel ist riesig Und das Schloss... speziell.



An der grob geschlagenen Wand hängt völlig unpassend ein moderner Flachbildschirm.



Es gibt einen Herd, Kühlschrank und (großer Luxus für eine Campinghütte) fließend Wasser, sogar heißes!! In meinen anderen beiden Hütten musste das Wasser zum Kochen immer erst rangeschleppt werden. 



Aber sonst ist das Häuschen recht urtürmlich eingerichtet, roh gezimmert wie in früheren Zeiten. Die Stühle sind sehr klobig und in Kindersitzhöhe. Das Bett ist hochgebaut, man kommt nur mit einem Hocker rein und muss dabei über einen Balken turnen. Viel Freude bzw. sportliche Gymnastik dem, der eine schwache Blase hat.



Rossi hat schnell kapiert, wie er über den Stuhl ins Bett kommt...

 
Der Eigentümer, der in einer blauen Trainingshose und einem orangefarbenen Muscle-Shirt (erinnerte leicht an Poppeye) die Gäste empfing, hat das ganze Areal als FISK Camping konzipiert, also als Anglerparadies. Keine Ahnung, ob hier wirklich "echte" Angler ihren Urlaub verbringen, oder Leute, die schon immer mal Angeln wollten, aber keine Angel und keine Ahnung haben. 



In der Bucht vor dem Campingplatz ist ein großer "Angelteich" mit Regenbogen-Lachs (Lachsforelle?) abgetrennt.

 
Etwas weiter draußen sind zwei große Netzgehege, in denen die Fische "auf Vorrat" gehalten und dann nach und nach im Angelbereich ausgesetzt werden.





Der Angelerfolg hängt davon ab, wieviele Fische ins Anglerbecken eingesetzt und bereits herausgezogen wurden. Die Teile, die die "Könner" am Haken hatten, waren jedenfalls ganz schönes Brocken. Hossa! Bezahlt wird nach Fangerfolg. Pro kg Fisch knapp 7 Euro.  



Zum Ausnehmen gibt es eine eigene Säuberungsstation über dem Wasser. Die Abfälle gehen als Futter wieder ins Wasser.

Ganz schöner Oschi!



Wer mag, kann sich seine Fische von Poppeye räuchern lassen. Ansonsten gibt es unzählige Grill- und Feuerstellen auf dem Gelände.



Angel- und Bootsverleih fehlen natürlich auch nicht. Die beiden haben ihren Hund dabei und sitzen garantiert zum ersten Mal in ihrem Leben in einem Boot. Nach ein paar Metern ist dem Rudermeister aufgefallen, dass er sich weniger in die Riemen legen muss, wenn sein Passagier im Heck sitzt.




Das Bild mit den zarten Blau und Rosatönen könnte glatt ein Hamilton sein.



Nach den Toiletten muss man etwas suchen. Es gibt eine Toilette mit Wasserspülung und im Wald verteilt mehrere Plumpsklos. Das nächste Klo war auf alle Fälle ziemlich weit weg. Die Duschen hab ich gar nicht gefunden und musste fragen. In einem der WC Häuser soll eine Dusche sein.





WC mit Dusche - das Warten auf's Freiwerden hat dazu geführt, dass die Herren ein Freiluft-Pissoir hinter dem Häuschen angelegt haben.



Meine Hütte sollte eigentlich 600 Kronen kosten = 65 Euro. Nachdem ich meinte, das ist aber sehr viel für einen alleine, hab ich sie für 400 bekommen. Das war nett von Poppeye! :-))

Abgesehen von der Schräglage und den komischen Toiletten ist es ein toller Campingplatz: schöner Badestrand, mitten im Wald und mitten in der Natur. Und nicht so überbelegt wie die anderen Ostsee-Campingplätze, an denen wir vorbei gekommen sind.

Dann gibt es auf dem Gelände noch ein Museum (hatte schon zu), in dem querbeet allerlei alter Trödel ausgestellt wird. Wirkte zumindest so - den Außenausstellungsstücken nach zu urteilen.



Auch ein Mittagsbüffet mit Elchfleisch, Rentier und Lachs und Gemüse aus dem Wok wird für etwa 14 Euro pro Person angeboten. Dafür war ich leider auch zu spät. Aber es klang lecker!



Von der E4 bis zum FISKE Paradies sind es etwa 6 km durch den Wald auf Schotterstraße. Damit die potentiellen Gäste unterwegs nicht den Weg oder die Zuversicht verlieren, macht ein lustiges Schild auf halber Strecke Mut: "Gib nicht auf, du bist bald am Ziel"