Herr Gårman hat geheiratet!

Ein Meilenstein bzw. Verkehrsschild der Emanzipation. Meines Wissens ist Schweden das erste Land mit einem Zebrastreifen-Frauchen. Im Sommer 2015 hab ich es zum ersten Mal in Kiruna gesehen. Ich dachte, es wäre ein Witz. Aber nein, Herr Gårman hat eine Frau bekommen!



Drei befragte Polizisten konnten mir nichts über die Dame in dem Sackkleid sagen. Außer, dass das schwedische Zebrastreifen Männchen "Herr Gårman" heißt - ein lustiges Wortspiel für das absolut gleich klingende "Här går man" - also "hier geht man". Auf den Burschen singen die Kinder sogar lustige Lieder, damit sie das Straße überqueren lernen.

Herr Gårman!
Herr Gårman!
På vita strecken får man  - auf den weißen Strichen (Linien) darf man
Här men inte där tut tut! - hier aber nicht da tut tut
Här men inte där tut tut!
Herr Gårman!
Herr Gårman!
På vita strecken får man!
På vita strecken får man!
Här, Herr Gårman! - Hier Herr Gårman

 

Schweden

Im Zuge der Gleichstellung hat der lange alleinstehende Herr Gårman vor einigen Jahren (ca. 2008/2009) eine Fru Gårman bekommen. Soweit meine Recherchen ergeben haben, kam die Diskussion um eine Frau auf dem Zebrastreifen Anfang 2006 auf. Die Zeitung Dagens Nyheter berichtete, dass "Witzbolde" in Östersund Herrn Gårman durch ein Zebrastreifen-Frauchen ersetzt hatten. Das brachte dann wohl das generelle Thema auf, dass auf den schwedischen Verkehrsschildern keine Frauen vorkommen - selbst das Fußgängerschild zeigt Vater und Tochter.

2007 verkündete Mariestads Kommun, dass sie Fru Gårmans-Schilder aufstellen wollen. Für das Schild gab es einen Entwurf von Karl-Gustaf Gustafson, jenem Künstler, der Herrn Gårman 1955 geschaffen hatte. Mariestad wollte (neben der dem Aspekt der Gleichstellung) Gustafson mit der Aufstellung ehren. Gustafson hat diese Diskussionen leider nicht mehr mitbekommen, er war schon 2006 im Alter von 89 Jahren gestorben.

Die Diskussion wurde weiter angeheizt, als auch die Hässleholm Kommun Ende 2007 im Alleingang Fru Gårman aufstellen wollte. Das wurde jedoch vom Vägverket (Straßenverwaltung) verboten, weil es nicht zwei verschiedene Schilder mit dem gleichen Inhalt geben darf. Aber man kam aufeine Lösung für dieses Problem und es wurde überlegt, Fru Gårman im ganzen Land einzuführen.

Ende September 2008 berichtete Dagens Nyheter, dass die schwedische Straßenverwaltung der Regierung vorgeschlagen hat, Herr und Fru Gårman in eine überarbeitete Verkehrszeichen Verordnung aufzunehmen. So war das Problem von den verschiedenen Versionen des gleichen Schildes geknackt.

Eine weitere wichtige Frage war, wie Fru Gårman aussehen sollte. Gustafsons Version wurde verworfen (Sorry Mariestad!). Der neue Vorschlag wurde für zu zu frech befunden. Der Rock war zu kurz und das Outfit zu keck, der Busen zu spitz... Nach einigen Überarbeitungen war Fru Gårmans Aussehen schließlich akzeptabel und sie konnte mit ihrem Männe auf die Straße geschickt werden.

Das ist also die Version, auf die man sich letztlich geeinigt hat. Ich bin gespannt, ob die beiden demnächst einen Kinderwagen über den Zebrastreifen schieben...




Wenn ein neuer Übergang angelegt wird oder alte Schilder ausgetauscht werden müssen, können die Kommunen selbst bestimmen, ob Herr oder Fru Gårman über den Zebrastreifen spaziert. Nach der ersten Sichtung im Sommer 2015 in Kiruna hab ich Fru Gårman im Dezember rund um einen neuen Kreisverkehr auch in Mjölby getroffen.


Hier noch ein paar hübsche Varianten vom Herrn Gårman:


Es gibt in Schweden übrigens auch Zebrastreifen-Schilder  mit Enten oder Eichhörnchen drauf!