10 Dinge, die man über die Schweden wissen muss, Teil 1

In Schweden laufen einige Sachen etwas anders als bei uns!


1. Die Schuhe bleiben draußen!
Wichtigste Regel für jeden Besucher, wenn er in Schweden ein Haus oder eine Wohnung betritt: Die Schuhe werden ausgezogen. Mit Schuhen das Haus zu betreten, gilt als ausgesprochen unhöflich. Schon im Dagis (Ganztagskindergarten) wird den Kindern das Schuheausziehen beigebracht. Das hält sich dann durch die Schulzeit bis zum Abitur und lebenslang. Selbst bei der Arbeit werden (wo es geht) die Straßenschuhe durch "Indoor-Schuhe" ersetzt.

Vorteile: Die Wohnung bleibt sauber und die Füße sind (besonders im Winter) nicht den ganzen Tag in klumpige schwere Stiefel eingepfercht.
 




2. Danke fürs Essen

Die Schweden (zumindest die älteren Generationen) sind ausgesprochen höflich und bedanken sich für alles und das mehrfach. Vor allem das Dankeschön nach dem Essen gehört zum Guten Ton. Wer den Tisch verlässt, sagt in Richtung Gastgeber bzw. Essenszubereiter: "Tack för maten" (Danke für das Essen). Und der Gastgeber antwortet darauf mit einem "Var så god" - gern geschehen / Bitteschön.

Nach dem Essen aufstehen und einfach abhauen gehört sich auch nicht. Wie das Schuhe ausziehen, lernen die Kinder im Dagis und in der Schule, dass jeder seinen Teller, Besteck und Glas in die Küche bringt. So läuft es auch am Familientisch. In Schweden wird man nie erleben, dass Mutter erst stundenlang kocht, dann den Tisch deckt, alle mit Essen versorgt und anschließend wieder für Ordnung sorgt. Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe.
 
Für die ältere Generation war es auch noch üblich, sich nach einer Essenseinladung beim nächsten Treffen mit "Tack för senast" zu bedanken - also "Danke für letztens". Nach meinem Empfinden hört man es aber nur noch selten und nur von Leuten über 70.





3. Sieben Sorten Kuchen

Wer in Schweden als perfekte Hausfrau und Gastgeberin gelten möchte, bringt nach alter Tradition sju sorters Kakor (sieben Sorten Kuchen) und eine Torte auf den Kaffeetisch. So war es Sitte, als Marianne in den 50er Jahren aus Bremen in einen Stockholmer Haushalt kam und dort als Hausmädchen arbeitete. So (ähnlich) hab ich es auch noch in den 80er Jahren bei unseren schwedischen Nachbarn kennengelernt, als meine Eltern ein Ferienhaus in Östergötland kauften. Und es hat sich bis heute gehalten, dass bei einer Kaffeeeinladung immer mehrere Sorten Kuchen auf dem Tisch stehen.

Unter "sieben Kuchensorten" darf man sich allerdings keinen großen runden Napfkuchen oder einen Kastenkuchen vorstellen, wie wir ihn kennen. Die Schweden fassen mit Kakor sämtliches Klein- und Trockengebäck zusammen vom Plätzchen, über Muffins und Hefeteilchen bis zum Blechkuchen. Laut Marianne gehörten auf die Stockholmer Kaffeetafel damals: Bullar (zu Knoten gerolltes Hefegebäck), ein weicher Zuckerkuchen und 5 kleine Gebäckstücke.

Auch der Ablauf des Kaffeetrinkens war genau geregelt: Zuerst kamen die sieben Sorten Kuchen auf den Tisch. Dazu wurde fleißig Kaffee getrunken und geschwätzt. Wenn der Kuchen aufgegessen war oder länger niemand mehr was genommen hatte, wurde Platz für die Torte, die Krönung der Kaffeerunde, gemacht. Allerdings wird die Torte nicht wie in Deutschland in 12 Stücke vorgeschnitten, jeder schneidet sich so viel ab, wie er möchte. Dabei kann es passieren, dass die Stücke aus Höflichkeit sehr klein bis winzig ausfallen. Wenn bei uns eine Torte bei 12 Stücken für 12 Leute komplett aufgegessen wird, kann in Schweden die halbe Torte übrig bleibt. Und alle sind so nej, nej, tack, tack, total satt.

Eine weitere Besonderheit an der schwedischen Kaffeetafel: Die "sieben Kuchen" sind auf ein Stück pro Gast abgezählt. Wenn ein Gast mehr als eins nimmt, geht ein anderer leer aus = absolut unhöflich. Meine Freundin Annja erzählte letztens noch, wie geschockt sie als Kind immer war, wenn deutsche Verwandte zu Besuch kamen und sich erdreisteten, mehre Stücke von ihrer Lieblingssorte zu nehmen. Heute wird aber nicht mehr so exakt abgezählt.

Die erste Einladung zum Kaffeetrinken bei unseren Nachbarn Arthur und Gertrud (Görtrud!) war jedenfalls eine ganz besondere Erfahrung. Zuerst wurden uns staubtrockene Plätzchen vorgesetzt, die wir mit mehr oder weniger großer Begeisterung herunterwürgten. Als wir dann eigentlich schon genug hatten, tischte Gertrud freudestrahlend die Sahnetorte auf. Mist, warum hatten wir alle Plätzchen probiert? Und dann hatte sich Gertrud als Steigerung auch noch eine Erdbeereisbombe ausgedacht. Die konnten wir nach den Plätzchen und der Torte nur noch bedauernd ankucken und wussten, dass wir beim nächsten Mal mehr Zurückhaltung bei den Plätzchen üben würden.



Neben Bullar und Muffins sind auch Mandelkub (Foto), Mandelskoppor (Mandelzwieback), Wienerbröd, Haferflocken-Plätzchen, Mazariner (kleine Mürbeteigtörtchen mit weicher Kartoffelmussfüllung und Bittermandel) und Pfefferkuchen typische Leckereien auf der Kaffeetafel. Pfefferkuchen wird in Schweden das ganze Jahr über gegessen. Was sonst noch zur Kaffeetafel schmeckt, erzählt das gleichnamige Backbuch Sju sorters kakor, das von der schwedischen Supermarkte Kette ICA aufgelegt wird.




4. Bonbons gibt es nur am Samstag
Im Lauf der Jahre hat diese Tradition etwas nachgelassen. Aber in den 70er/80er Jahren war es tatsächlich noch üblich, dass die Kinder nur am Samstag ein Tütchen mit Bonbons bekamen - die Lördag Godis. Wie sie sich den Verzehr einteilten, blieb den Kindern überlassen. Die einen hauten alles auf einmal weg, die anderen teilten sich die Bonbons in tägliche Rationen ein und es soll auch Kids gegeben haben, die mit den Bonbons erste unternehmerische Aktivitäten starteten (Bonbons gegen Hausaufgaben oder Abschreiben).

Lördag Godis sind bis heute beliebt, aber die meisten Kinder bekommen inzwischen auch unter der Woche welche. Manche Geschäfte erhalten die Tradition mit vergünstigten Wochenend-Bonbons am Leben. Und Erwachsene schieben ihre vermehrten Bonboneinkäufe zum Wochenende dann gerne darauf, dass es sich ja um Lördag Godis handelt. Da werden die zusätzlichen Bonbon-Kalorien nicht mitgezählt.

Die besten Lördag Godis sind die lösvikt Godis. Also lose Bonbons, die man sich nach Geschmack selber in eine Tüte füllen kann. Verdrückt werden sie dann am späten Samstagnachmittag oder abends beim Fernsehen.





5. Gegrillt wird immer und überall
Typisches Bild an einem Skilift in den Alpen: Alle stehen für eine Bratwurstsemmel an der Skihütte an. Typisches Bild an einem Skilift in Schweden: Die ganze Familie versammelt sich um den von der Kommune oder dem Liftbetreiber aufgestellten Grill und brät mitgebrachte Würstchen. Dazu werden Hotdog Buns (weiche Brötchen) auf dem Rost erwärmt und dann mit Wurst und weiteren Zutaten wie Ketchup, Hamburgersoße, Senf, gerösteten Zwiebeln, klein geschnittenen eingelegten Gurken usw. gefüllt. Genauso, wie wir es von Ikea kennen.

In Schweden finden viele Aktivitäten irgendwo abgelegen in der Natur statt, Imbissbuden gibt es selbst am Skilift oder Badestrand nur selten. Also machen die Schweden eben ihren eigenen Imbiss und grillen, egal wo sie gerade sind, Würstchen. Um das offene Feuer, das in Schweden generell überall erlaubt ist, ein bisschen zu lenken, haben die Kommunen an vielen Badeseen und entlang von Wanderwegen Grillplätze eingerichtet.

Über die schwedischen (Hotdog)Würstchen muss man noch wissen, dass die Schweden traditionell sehr sparsam mit Fleisch umgehen und die fehlende Masse durch Kartoffelmehl auffüllen. Beim letzten Grillen, an dem ich teilgenommen habe, gab es Würstchen, die wegen ihres 75%igen Fleischanteils als Premiumwürstchen ausgelobt wurden. Damit tut man sich als Deutscher etwas schwer, wenn man es gewohnt ist, dass in der Wurst nur Fleisch, Speck, Wasser und Gewürze vorkommen.