Nissum Bredning - einmal drum rum

Da die Fähre zwischen der Harboøre und Agger Landzunge wegen der vorweihnachtlichen Überschwemmungen außer Betrieb war, blieb als einzige Möglichkeit, einmal um Nissum Bredning herumzufahren, um auf die andere Seite zu kommen.

Auf dem roten Punkt ungefähr steht das Ferienhaus, das ich für zwei Wochen gemietet hatte. Von dort bis Thyborøn (wo ich die letzten Tage öfters war) sind es rund 20 km. Unterhalb des Nissum Bredning liegt Mitteljütland, darüber Nordjütland.

Mein Ausflug zur Agger Landzunge war von erfreulich wenig Wind aber auch von sehr wenig Licht geprägt. Es war leider zu grau für gute Fotos.



Bevor der Sturm an Weihnachten loslegte, hatte es schon heftige Überschwemmungen gegeben.





Vestervig Kirke. Die Kirchen sehen hier in der Gegend alle ziemlich gleich aus, aber die in Vestervig (11. Jahrh.) soll die größte Dorfkirche Skandinaviens sein.










Auf dem Friedhof gibt es ein ungewöhnliches Grab mit einem 3,40 m langen Grabstein. Der Legende nach wurden hier Liden (=die kleine) Kirsten, Schwester des Dänenkönigs Waldemar I., und Prinz Buris bestattet.





Die beiden wurden gegen Waldemars Willen ein Paar. Worüber Waldemar so sauer war, dass er seine Schwester "zu Tode tanzte" !!! und den armen Buris blenden ließ. Anschließend wurde Buris im Turm in Ketten gefangen gehalten. Seine Eisenkette war grad so lang, dass er damit bis ans Grab seiner Liebsten kam. Als Buris nach 12-jähriger Gefangenschaft starb, wurde er neben Kirsten begraben.

Das soll irgendwann im 12. Jahrhundert passiert sein. Bis heute legen Bräute, die in der Vestervig Kirke getraut werden, ihren Brautstrauß auf der Grab von Kirsten und Buris. Romantisch, ne?

Am Südende der Agger Landzunge befindet sich der Fähranleger nach Thyborøn.



Auf der anderen Seite sieht man Thyborøn.





Die Landzunge ist Teil des Thy Nationalparks. Ich hatte leider das Pech, dass die Sonne so gar nicht rauskommen wollte, deshalb war es ein recht grauer Ausflug.

Ein Seeadler? Er hat die Schwäne terrorisiert, die aber nur frech zurück terrorisiert haben...



Jetzt weiß ich ja nicht, was man über die Jütländer so im Allgemeinen sagt. Ich bin jedenfalls zu der Erkenntnis gekommen, dass sie noch wortkarger als unsere die wortkargen Friesen sind. Wenn du mal zwei Wochen mit keinem Menschen sprechen möchtest, dann kannst du das in Westjütland (also Nordseeseite) ganz problemlos durchziehen.

Ich hätte ja von den Dänen behauptet, dass sie ein munteres gutgelauntes Völkchen sind, wie alle Skandinavier. Immer Hej Hej und freundlich zu jedermann. Aber hier in der Ecke kriegen sie die Zähne überhaupt nicht auseinander. Und die Mundwinkel zu einem Lächeln hochziehen geht noch weniger. Echt! Nachdem ich mich in den ersten Tagen gewundert hatte, was die Leute hier komisch drauf sind, hab ich eine Versuchsreihe angestellt: Schaue die Menschen direkt an, suche den Blickkontakt und lächle dein schönstes Lächeln. Total gescheitert. Das geht nicht, du kriegst gar keinen Blickkontakt hergestellt. Dein Gegenüber schaut dich zwar kurz an, aber nicht in die Augen. Während du auf diesen kurzen Augenkontakt wartest, um dein Lächeln zu starten, schaut er schon wieder weg und nie wieder zurück. Wirklich wahr.

Gestern hab ich die wahrscheinlich einzige Ausnahme in ganz Jütland getroffen. Ein etwa 20-jähriger Bursche hat mich auf der Straße angelächelt und Hej gesagt. Kam wahrscheinlich aus Kopenhagen. Sollte er ein Jütländer sein, wird man ihm diese Albernheiten garantiert noch austreiben.

Außerdem sind die Hundebesitzer hier etwas strange drauf. Überall in Europa wo ich war, kenne ich es so, dass man als Hundebesitzer automatisch ins Gespräch kommt. Hier sind alle Hunde ganz korrekt an der Leine, und werden so auf Abstand gehalten, dass man dem anderen Hundehalter nicht zu nahe kommt und sich womöglich mit ihm unterhalten muss. In Thyborøn hatte sich eine Hündin spontan in Rossi verliebt und ihre Halterin fast vom Fahrrad geholt. Ich war extra stehen geblieben, damit sich die beiden Hallo sagen können. Während die beiden verliebt um einander herumgewuselt sind, hat die Halterin ohne Punkt und Komma geredet, aber mit sich selber, nicht mit mir.

Allerdings sind die hier auflaufenden Urlauber mit norddeutschem Autokennzeichen, vor allem die über 60, auch nicht sonderlich nett. Vielleicht macht das rauhe Wetter eine rauhe Laune?

Einige Tage später konnte der Fährbetrieb nach Agger wieder aufgenommen werden und als das Wetter so richtig gut war, bin ich noch mal rübergefahren.



Wobei "gutes Wetter" relativ ist. In der Feriensiedlung war es fast windstill. Am Meer und auf der Fährpassage über den Kanal ging es ziemlich wild zu. Rauf und runter mit allen Schikanen, inklusive mehrfacher Gischtdusche.  Die Überfahrt dauerte nur 12 Minuten - ließ sich also aushalten. Aber eine mitreisende Deutsche erklärte ihrem Gatten, dass er zurück bitte den Landweg nehmen soll - ihr ist schlecht und sie will keinesfalls eine zweite Überfahrt!




Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren