Besuch in der Eisenzeit

Die Orkneys sind das perfekte Urlaubsziel, um tief in die Eisenzeit und andere frühe Epochen einzutauchen. Mein Ausflug in die frühe Menschheitsgeschichte begann mit dem Besuch des Broch von Gurness am Sound of Eynhallow.


Der Broch ist ein eisenzeitlicher Turmbau mit mehreren Etagen, der das Zentrum der Siedlung bildete. Die Siedlung ist auf 100 - 200 vor Christus datiert. Vormals gab es hier in der Gegend insgesamt 11 Brochs. Sechs auf Mainland Orkney rund um Evie und fünf entlang der Küste von Roussay.

Als ich ankam, war so ein scheußlicher Wind + Regen, dass ich erstmal ne Stunde im Auto gelesen und auf besseres Wetter gewartet hab. Sieht auf dem Foto gar nicht so dramatisch aus. Aber eine Familie in Regenkleidung kam nach dem halbem Weg wieder zurück - kein Wetter für Outdoor-Erlebnisse.






Als ich mich dann endlich auf den Weg machte, war ich ganz alleine da. In dem Häusschen saß ein verforener Mann, der mit dem Radel gekommen war (bei dem Mistwetter!!!) und auf Besucher wartete. Ich war bis dahin der erste.



Das Baumaterial fanden die Eisenzeitler an der Küste.



Liegt ja wirklich griffbereit rum!



Und das steht heute noch von der Siedlung...



Wenn ich es richtig verstanden habe, war das Gebäude auf dem nächsten Foto eine Art Vorratshaus. In das Becken in der Mitte wurde Salzwasser gefüllt, um Krebse und Schalentiere frisch zu halten. Ganz schön clever!



Ein eisenzeitlicher Mahlstein



Ja, wer hätte das gedacht, ich fand die Eisenzeit (und verschiedene Siedlungen auf Orkney sind sogar noch älter) plötzlich richtig spannend.

In den Felsen unterhalb der Siedlung nisteten ein paar Eissturmvögel, die sich natürlich gleich wieder aufregen mussten...




Noch mehr Steine...





Im Hafen von Tingwall hab ich zugeschaut, wie die Autos auf die Fähre nach Roussay gepackt wurden. Sehr beeindruckend. Die 10 Autos, die da drauf passen, mussten rückwärts drauf fahren und die Fahrer konnten dann nicht mehr aussteigen, weil es so eng war.

Ich hab ein bisschen beim Verladen geholfen und dem Auto vorne rechts auf der Fähre den Spiegel auf der Beifahrerseite eingeklappt, damit es noch ein bisschen zurückfahren konnte.




Denn der wollte auch noch mit...



In dem vorgelagerten Häusschen hinten links im letzten Bild befindet sich Betty's Reading Room. Eine nette kleine Stube mit Sofas und Regalen voller Bücher zum Lesen. Den Reading Room haben Jane und Craig in Gedenken an ihre verstorbene Freundin Betty eingerichtet. Wer auf die Fähre wartet, kann es sich hier gemütlich machen und schmökern. Eine schöne Geschichte, über die auch die BBC berichtet hat.

Tingwall hat abgesehen von dem kleinen Hafen auch eine historische Bedeutung. Der "Tingwall" ist eine kleine Anhöhe, auf der sich laut Orkneyinga-Saga die Stammesführer der Wikinger zu ihren "parlamentarischen" Sitzungen getroffen haben. Die Internetseite www.thingsites.com berichtet davon, dass die Thingstätte wahrscheinlich auf den Ruinen eines eisenzeitlichen Brochs lag. Am Hafen gibt es ein Tingwall-Haus mit einer kleinen Ausstellung.

In Kirkwall, der "Hauptstadt" der Orkneys war ich dann auch noch...
Der junge Mann mit dem Fahrrad steht dort regelmäßig und hält Schwätzchen mit anderen Orknis. Ich hab ihn an exakt der gleichen Stelle an mindestens drei Tagen und zu völlig verschiedenen Uhrzeiten gesehen. Er war nachher schon fast ein good old friend.




Im Hintergrund die St. Magnus Kathedrale, über die sich ganze Romane erzählen lassen (kommt später noch) und im Vordergrund mein Auto. Wie man sieht, haben wir inzwischen schönen blauen Himmel und Sonnenschein. Das Wetter wechselt sehr schnell auf Orkney.




"Fußgängerzone"







Ich war auch drin in der Kathedrale, aber ohne Kamera. Als ich die geholt hatte, kam ich nicht mehr rein. Geschlossen wegen
Hochzeit! Braut und Bräutigam hab ich am nächsten Tag noch mal getroffen...



Während drinnen getraut wurde, gab es draußen Probleme mit dem Jaguar. Sah ziemlich interessant aus, was die Kiste für Eingeweide im Kofferraum hatte.



Der Mann mit dem Fahrrad hat einen neuen Gesprächspartner gefunden...



Der Keelylang Hill bietet eine wunderbare Aussicht über die Inseln. Ab und zu brachen die Wolken auf und Orkney war ein Gedicht aus unglaublichen Farben. Hammer!
Es war dabei aber auch krass windig und saukalt - Hammer!













Landwirtschaft auf Orkney



Auf dem nächsten Bild sieht man im Hintergrund den Hügel, auf dem die vorherigen Fotos entstanden.



Weil ich gerade so gut in Gang war, bin ich auch noch auf den Cuween Hill gestiegen.





Ich dachte, dass auf dem Berg ein Steinkreis wäre - sieht von unten fast so aus - aber die Steinhumpen sind völlig anders und ich hab bis jetzt noch nicht herausgefunden, was das für Türmchen sind....



Keine Ahnung, was ich da fotografiert habe, aber die Steine waren ein gutes Objekt....









Die Grabkammer auf dem Cuween Hill ist der eigentliche Grund, warum man da hochklettert. In Anlehnung an Tomb of the Eagles (wo Adlerkrallen gefunden wurden) wird sie "Tomb of the Beagles" genannt, weil hier 4.500 Jahre alte Hundeknochen gefunden wurden.


Man kann in die Kammer reinkriechen. Vorne war eine Box mit einer Taschenlampe. Weil die Batterie leer und vor dem Gitter eine riesige Pfütze war, hab allerdings drauf verzichtet. Ich hab aber Fotos vom Inneren gesehen, demnach ist es durchaus geräumig. Die Kammer wurde in der Jungsteinzeit (Neolythic) errichtet und ist (wie die Hundegebeine) über 4.500 Jahre alt. Laut Infotafel diente sie als Begräbnisstätte neolytischer Farmer.



Wettermäßig hatte der Tag ja total schlecht angefangen. Er ist dann aber trotzdem sehr erlebnisreich geworden.






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