No curtains no camping!

Logisch, dass man im Urlaub bemerkenswerte Erlebnisse hat, sonst könnte man ja gleich zu Hause bleiben. Aber manche Sachen sind schon etwas "strange..." Ich hab tatsächlich Campingverbot bekommen, weil mein Auto keine Gardinen hatte.

Die Caravanclubs in Großbritannien sind sowieso etwas merkwürdig. Erst mal wurde ich auf besagtem Campingplatz in der Nähe von OBan gefragt, ob ich Mitglied im Caravanclub bin. Wenn nicht, dann kostet es mehr. Tja, dann ist das halt so. Dann musste ich mein halbes Stammbuch mit sämtlichen Personendaten angeben. Wir waren schon beim Vornamen und Nachnamen angelangt, als sich die Tür öffnete und der Mann zu der Campingplatzhüterin eintrat.
Are you sleeping in the car?
Yes.
Have you curtains in your car?
Curtains? no.

Die fehlenden Gardinen in meinem mobilen Schlafgemach führten dazu, dass ich mir einen anderen Campingplatz suchen musste. WEIL: "We have to care for the privacy of our guests" hat mir der Campingman erklärt. Er sah gar nicht mal so schlecht aus und eigentlich auch nett. Und dann kommt der mit so ner Nummer. Privatsphäre auf nem Campingplatz ha ha. Da rennt jeder im Nachthemd und Schlafanzug über den Platz...

Vielleicht hätte ich ihn noch überreden können, mir abseits ein Plätzchen zu überlassen. Die Scheiben sind während der Nacht sowieso beschlagen, dass man nicht reinschaun kann. Aber bei so komischen Leuten wollte ich dann auch nicht übernachten.

Er war in höchstem Maße erstaunt, dass ich nicht schon früher Probleme wegen der fehlenden Gardinen bekommen hatte. Tatsächlich war das in über 20 Jahren Autocampen noch nie ein Problem, auch nicht in England oder Schottland. Aber das hab ich ihm nicht erzählt.

Der nächste Campsite war 20 km weiter. Keine Ahnung, ob da auch Gardinen vorgeschrieben waren, ich konnte niemanden ausfindig machen, der mir dazu etwas gesagt hätte. Normal hätte ich mir einfach nen Platz gesucht und dann am Morgen bezahlt. Aber nach der Gardinennummer war mein lässiges Verhältnis zur Nutzung von Campingplätzen etwas angekratzt. Also zum nächsten. Da war auch keiner, aber bis hier hin (es war fast dunkel) war mir die privacy und überhaupt alles andere schon wieder egal. Ich hab mich einfach ganz hinten hingestellt, wo mir keiner beim Schlafen zusehen konnte. Und am Morgen bin ich gleich um 8 weiter.

Blöd war nur, dass ich auch am Morgen niemanden zum bezahlen finden konnte. Nachdem ich eine halbe Stunde gewartet hatte, hab ich einen tollen Brief verfasst und das Geld in den Briefkasten gestopft. Ich hoffe, die können mit 15 Pfund leben. Am Tag vorher hatte ich 12 Pfund bezahlt, am Tag drauf 6.

Die sind sich auf den Campsites auch immer uneinig, wie sie die Nacht im Auto berechnen sollen. Ist kein Caravan oder Wohnwagen, ist kein Zelt. Die meisten berechnen Zelt. Was ich aber unfair finde, da ich viel weniger Platz brauche, als Leute mit Auto und Zelt. Das netteste, was ich je auf einem Campingplatz erlebt habe, war die Überlegung, dass ich ja nur einen Parkplatz in Anspruch nehme. Der ist kostenfrei, blieb also nur die Nutzung der Sanitärräume, für die ich 2 Pfund zahlen musste - das war letztes Jahr auf Shetland.

Ein paar Tage später hatte ich eine Email vom Campingplatz in Invercoe im Postfach. Sie haben sich sehr bedankt und mir mitgeteilt, dass 12 Pfund ausreichend gewesen wären, sollte ich wieder vorbeikommen, so hab ich 3 Pfund gut. Also bin ich am Rückweg noch mal dagewesen.

Noch ein paar Reisefotos des Tages. Am Vormittag in Yorkshire und Cumbria war das Wetter entsetzlich, ab Glasgow wurde es noch richtig schön und die Fahrt entlang der Lochs war ein Traum.



Arrochar an der Spitze von Loch Long. Die kleinen Flecken im Bild sind (noch) Regen!


'
Die Sonne kommt raus...



Und entschuldigt sich mit einem Regenbogen für ihre Abwesenheit



Rossi war so heiß drauf, ans Wasser zu kommen, dass er sich sein Geschirr ausgezogen hat, als die Leine (ich stehe oben auf einer Brücke) nicht bis unten reichte. Die hundefreie Leine sieht man links im Bild.



Ein "Bodach", so ne Art schottischer Troll. Kann durchaus sein, dass ihn die Wikinger mitgebracht haben. Sie fielen 1263 in Arrochar ein. Magnus of Man landete hier mit einer Flotte von 60 Booten. Die braven Schotten  versuchten sich tapfer zu verteidigen, wurden aber von den Wikingern überrollt. Von Loch Long ging es über die Berge auf weitere Plünderungstouren am Loch Lomond.

Als sie mit hunderten geklauter Rindern zurückkehrten und mit diesen wieder davon segeln wollten, kam ein heftiger Sturm auf und 10 der Schiffe gingen unter. Wie heißt es so schön, die Strafe folgt auf dem Fuße...





Im Glen zwischen Loch Long und Loch Fyne. Der Ort trägt den schönen Namen "Rest and be thankful". Das sollen im Verlauf der Jahrhunderte viele Menschen getan haben, wenn sie den Pass überquerten.



Da wird unweit von "Rest and be thankful" irgendwas interessantes gebaut.



Im Gegensatz zu den isländischen Schafen, lassen sich die Schafe in den West Highlands sehr gerne fotografieren und rennen nicht gleich weg, wenn man sich ihnen auf mehr als 50 Meter nähert.



Eine hoppelige Aussicht auf Loch Fyne





Inveraray



Loch Awe



Mir gefielen die halbnackten Bäume in der schottischen Landschaft so gut, dass ich gleich ne ganze Sequenz knipsen musste....











Kilchurn Castle am Loch Awe



Noch mal mit Sonne drauf







Matschkühe!



Stalker Castle im Loch Linnhe





Kommentare  

#2 Dagmar* 2015-01-27 23:03
Die Camping Clubs sind wirklich speziell, da brauchst du nicht nur Gardinen, sondern am besten auch dein polizeiliches Führungszeugnis :sigh:
#1 Reisebig 2015-01-22 10:01
Das mit den Vorhängen ist mir auch öfters passiert, aber immer nur im Englischen Teil, die Schotten und Orcanias haben da nie was gesagt. Und bei den Engländern auch immer nur die dem Camping Clubs angeschlossenen Plätze. Aber ich wurde nie abgewiesen, ich habe Vorhänge. Allerdings habe ich auf einem Platz den miesesten Stellplatz von allen und am weitesten entfernten vom Waschhäusschen bekommen.

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