Inselhopping von Skye nach Harris

Am zweiten Tag auf Skye war das Wetter very terrible. Das Mädel im Shop in Uig meinte sogar "what a horrible weather" - wenn das eine Schottin sagt, dann ist es schlimm! Als wir aufwachten, stürmte es wie verrückt, plus Regen. Der Regen war jetzt kein Problem. Die entscheidende Frage lautete, soll ich bei dem Sturm wirklich nach Lewis übersetzen? Abblasen oder auf morgen verschieben?




Ich beschloss, die 100 Minuten Seekrankheit in Kauf zu nehmen - so lange dauert die Überfahrt - und den Lewis-Besuch wie geplant durchzuziehen. So schnell komm ich hier schließlich nicht wieder her. Und auf besseres Wetter zu warten, war auch keine Alternative. Ich musste ja spätestens in 4 Tagen wieder den Rückweg antreten. Dazu das Problem, dass es meist nur eine Überfahrt pro Tag gibt. Die nächste war heute um 14 Uhr.

Also hatte ich noch ein paar Stunden auf Skye bei strömendem Regen, die ich nach Belieben verbringen konnte. Der beste Zeitvertreib schien mir, die Zeit möglichst im Auto zu verbringen und möglichst mit laufender Heizung. Also fuhr ich um die Nordspitze von Skye.



Das Skye Museum, das ich besuchen wollte, hatte leider geschlossen. Es ist ein kleines Freilichtmuseum mit einigen restaurierten Blackhouses. War aber zu. Also raus aus dem Auto, über den Zaun ein paar Fotos schießen, drauf achten, dass die Kamera nicht absäuft, schnell wieder ins Auto. Hund klatschnass, Mensch klatschnass und große Begeisterung über die Erfindung von schnelltrocknenden Fleecejacken.





Unweit des Museums, also gleich dahinter, ist ein kleiner Friedhof mit dem Grab / Monument von Flora McDonald. Jener tapferen jungen Schottin aus dem Clan der McDonalds (geboren auf der Isle of Uist), die Bonnie Prince Charlie nach seinem gescheiterten Aufstand gegen die Engländer (er wollte den schottischen und englischen Thron für die Stuarts zurück erobern) die Flucht ermöglichte.



So ein großes Grabmonument bekommt man, wenn man dem Prinzen das Leben rettet!



Mit dem Prinzen als ihre Zofe Betty Burke verkleidet, ruderte Flora übers Meer zur Insel Skye. Ich schätze mal, es waren ein paar Männer mit im Boot, die das Rudern übernommen haben, aber die tauchen namentlich nirgends auf. Später gelang es Bonnie dann, sich wieder nach Frankreich abzusetzen.

Die Geschichte liest sich recht amüsant. Es klingt so blauäugig, wie Charles Edward Stuart aka Bonnie (schön) Prinz Charlie da auf eigene Faust gen Schottland loszieht, die Highlander mobilisiert und einen Aufstand gegen die Engländer anzettelt. Der geht vollends in die Hose und er irrt anschließend 5 Monate in den Highlands herum, von den Clans versteckt, immer die Engländer im Nacken und dann die Nummer mit der Flucht in Frauenkleidern... Aber die Schotten nehmen die Geschichte glaub ich sehr ernst und verehren Flora noch heute als Heldin.

Zwecks Besuch von Floras Grab hatte ich mir sogar die teure, teure Outdoorjacke angezogen, die eigentlich wetterdicht sein sollte. Seit dem Einsatz beim Ochsenrennen im letzten Sommer, weiß ich, dass sie es nicht ist. Also kam ich wieder klatschnass im Auto an. Ich hab keine Ahnung, wie oft ich heute klatschnass ins Auto eingestiegen bin. Sehr oft, sehr nass. Und Rossi ebenso.

Selbst die Schäfe finden das Wetter "Bäh"







Hier sieht man ganz gut die Windböen, die aus wechselnden Richtungen über den kleinen See fegen.



Eine Siedlung aus der Eisenzeit. Es war zu nass und matschig für nähere Erkundungen.



Gegenverkehr auf einer Single Track Road, ich warte brav auf dem Passing Place, bis der LKW durch ist.



Am Ticketoffice in Uig bekam ich ein Kompliment, wie gut ich englisch spreche. Ich glaub, sie meinte, mein Akzent ist nicht so typisch deutsch. Ich wurde schon öfters gefragt, ob ich in Irland englisch gelernt habe.




Gegenüber vom Pier ist die Skye Brewery, dort hab ich ne Flasche Otter Beer erstanden, mit dem Ladenbesitzer ein bisschen über die Craftbeer-Bewegung geschwätzt und die vielen Sorten Bier bewundert, die sie brauen.





Die Fährüberfahrt war dann nicht so schlimm, wie ich es mir am Morgen ausgemalt hatte. Ich konnte während der Überfahrt was zu Mittag essen und es vor allem bei mir behalten.




Die Fähre geht von Uig auf Skye nach Tarbert auf Harris, der kleineren Nachbarinsel, die mit Lewis verbunden ist. Rossi war im Auto geblieben, obwohl er in den Passagierbereich gedurft hätte. Nachdem er sich nicht sehr gentlemenlike gegenüber anderen Rüden benimmt, wollte ich uns den Stress nicht antun. Ich glaub der leicht vibrierende Boden hätte ihm noch weniger gefallen, als im vertrauten Auto zu sitzen. Bei meiner Rückkehr machte er einen recht munteren Eindruck und schien nicht sonderlich bekümmert, dass ich ihn allein gelassen hatte.

Kurz vor Harris



Auf Harris/Lewis angekommen, wurde ich im Verlauf des Tages gefühlte weitere 20 mal nass. Dazu musste ich nicht mal aussteigen, Fenster runter drehen, reichte schon völlig aus. Das Wasser lief geradezu in Sturzbächen aus dem Moor in die Abflussgräben rechts und links der Straße. Sah bombastisch aus!



Auf Lewis gibt es neben der schönen Landschaft auch zahlreiche historische Sehenswürdigkeiten, unter anderem haufenweise Stone Circles. Praktisch an jeder Ecke stehen welche. Bei den ersten bin ich nicht nur klatschnass geworden, ich hab mir auch noch nasse und dreckige Socken geholt und mich einmal halb in den Matsch geschmissen, weil es so rutschig war. Die 50 Meter bis zu den Steinen gingen durch eine schlammige Schafweide.

Mitten durch die Schafe, die alle frische Lämmer hatten. So süß! Rossi musste derweil im Auto bleiben und durfte Schäfchen zählen. Er findet Schafe ganz faszinierend und würde gerne mal eins kennen lernen. Ich lass ihn nur leider nicht :-(









Der Steinkreis links (da war ich wegen dem Wetter nicht)



Der Steinkreis (Callandish) rechts - da war ich auch noch!



Und der Steinkreis voraus, bei dem ich mir die matschigen Socken holte.







Kaum war mir wieder halbwegs warm/trocken zumute, standen da schon die nächsten Steine. Der Callandish Stone Circle ist der (bislang) größte Steinkreis in Großbritannien. Da musste ich natürlich aussteigen und wurde das nächste Mal klatschnass. "Bislang größter Steinkreis" deshalb, weil auch die Callandishs mehrere Jahrhunderte im Torfmoor verschwunden waren. Sie wurden erst Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt und ausgegraben. Kann also sein, dass in den englischen oder schottischen Mooren noch viel viel größere Steinkreise versteckt sind.



Die Steine wurden vor rund 5.000 Jahren aufgestellt. Warum, ist genau wie bei Stonehenge oder dem Ring of Brodgar (Orkney) immer noch unklar. Seit diesem Tag kann ich damit prahlen, dass ich die drei bedeutendsten Steinkreise in Großbritannien leibhaftig gesehen habe - plus zahlreiche kleinere!



Unweit der Callenishs, auf dem Weg nach Port Neve, kommt man an einem restaurierten Blackhouse-Dorf vorbei, das als Museum genutzt wird und in dem man sogar übernachten kann.









Ich hätte ja gerne in einem Blackhouse übernachtet, aber es war niemand da, der mir eins vermietet hätte. Also weiter zum Campingplatz. Der hatte immerhin eine Küche und sogar einen Raum zum Essen. Nur war es dort so saukalt, dass ich lieber im Auto geblieben bin.

Das letzte Stück Fahrt von den Blackhouses bis zum Campsite hatte allerdings nicht ausgereicht, um mich wieder zu trocknen und aufzuwärmen. Also bin ich noch mal bei voll aufgedrehter Heizung eine Runde um den Block gefahren. Ich war sehr froh über die funktionierende Heizung (bei meinem vorherigen Kangoo war sie kaputt!) und dass ich vor Abreise meine Haare um die Hälfte gekürzt hatte. Lange nasse Haare, die mir nonstop um die Ohren fliegen, konnte ich echt nicht brauchen.