Spar dir den Regenschirm

Nach 5 regenreichen Tagen in Schottland kam ich auf die sinnige Idee, doch mal meinen Regenschirm aufzuspannen. So kam ich nach fünf Tagen zu der Erkenntnis, dass man Regenschirme getrost zu Hause lassen kann.

Entweder sie werden vom Wind zerfetzt, oder man geht wie der fliegende Robert aus dem Struwelpeter in die Luft. Dabei war der Morgen noch richtig schön. Ich hatte einen fantastischen Blick aufs Meer und den Sonnenaufgang. Leider machte die Sonne nach ihrem Aufgang bald wieder den Abgang.



Es war die erste (und einzige) Wildcamping-Nacht während der Reise. Rossi hatte am Morgen etwas Kummer als er pieseln wollte und da so ein verflixt gefährlicher Stein herum stand, der uns bestimmt an den Kragen wollte. Er hat den Stein mindestens 5 Minuten lang wie gebannt fixiert und angeknurrt, bis ich ihn endlich überzeugen konnte, dass er harmlos ist.



Er hat ihn aber trotzdem weiter im Auge behalten. So einem suspekten Subjekt sollte man niemals trauen!





Meine verbleibenden 8 Stunden auf den Outer Hebrides verbrachte ich damit, Harris zu exploren, die Strände ausgiebig zu knipsen und weitere (zu kleine) Steine für meinen Vater ins Auto zu packen.



Um 8 in der Früh war nur wenig Verkehr auf der Harris "Haupt"-Single Road.



Die Schafe bekamen Mais zum Frühstück und dazu 100 uneingeladene Mitesser. Es war schlecht zu fotografieren, aber die Schafe waren komplett von Möwen umzingelt. Als die Futterdiebe einmal, von einem LKW erschreckt, aufflogen, war ein einziges Chaos und Durcheinander in der Luft, bis sie alle ihre Flügel sortiert hatten.




Die Fähre von Harris zur Nachbarinsel Uist, bzw. der kleinen vorgelagerten Insel Berneray, die über eine Brücke mit Uist verbunden ist.





Im Hafen von Leverburgh stand der Butty (Sandwich) Bus. Wer mag, kann sich reinsetzen und sein Sandwich ganz in Ruhe futtern. Wem's an Zeit mangelt, nimmt es mit.



Ich hätte nicht gedacht, dass Graugänse so scheu sind, aber die dummen (oder klugen?) Vögel sind immer schnellstens weggeflogen, wenn ich die Kamera ausgepacken wollte. Endlich hatte ich mal Glück und traf einen kamerageilen Ganter.




Weil "open" dran stand und weil ich wissen wollte, wie es drinnen aussieht, bin ich auf eine heiße Schokolade im Temple Cafe eingekehrt.



Richtig offen war allerdings noch nicht. Als ich reinkam, waren die Vorbereitungen für das Tagesgeschäft noch in vollem Gange. Mir dröhnte laute Musik und der Küchenmixer entgegen, alldieweil die Betreiberin gut gelaunt aus voller Kehle mitsang. Was für ein schöner Empfang, als wäre ich auf einer Party bei guten Freunden eingetroffen. Leider drehte sie die Musik dann runter. Wegen mir hätte die Party weitergehen können.


Das Cafe ist eine moderne Blackhouse Interpretation (davon gibt es einige auf Harris): ovalrund, mit 1 Meter dicken Felsenwänden. Die Steine sind nicht vermauert, sondern nur auf einander gestapelt. Man könnte beim Kaffeetrinken also umgekehrtes Jenga spielen und das Haus steinchenweise auseinander nehmen. Die Frontseite hat große Fenster mit Ausblick auf den schönen Harris-Strand.



Auf den Tischen standen Schüsseln mit aufgehendem Hefeteig, die ersten Kuchen und Muffins waren bereits gebacken, die nächsten in der Rührschüssel und es roch nach würzigem Lammragout - dem Tagesgericht. Man beachte rechts im Bild den Holzstamm - irgendjemand hat eine praktische Lösung für die Aufbewahrung seiner Pennies gefunden.




Ich bekam eine heiße Schokolade mit kleinen Marschmallows drin. Sehr delicious!



Weil's so gemütlich war, blätterte ich ein bisschen in den ausliegenden Büchern und hatte großen Spaß, als ich "A Hebridean Naturalist's Journal 1817 - 1818" von William MacGillivray in die Finger bekam "Yesterday the weather was rainy, today the wind was high, the night was stormy..." Diese Aufzeichnungen hätten auch von mir sein können. Der schottische Naturforscher, Ornithologe und Botaniker (er war damals Ende 20) schien sich nicht nur für das Wetter, die Vögel und Blumen zu interessieren, sondern auch für Miss MacDonald...




Als ich weiter wollte, fuhr gerade ein Entsorgungsfahrzeug vor, um die Klärgrube auszupumpen. Weil er die Einfahrt versperrte, schaute ich ihm interessiert zu, wie er sich mühsam zwischen den beiden Pfeilern auf den Parkplatz einfädelte. Als er drin war und ich raus konnte, haben wir uns die hochgehaltenen Daumen gezeigt und gelacht. Später fuhr er noch mal an mir vorbei, als ich den nächsten oder übernächsten Strand fotografierte, er hupte und wir winkten uns zu. Wenn du auf den Outer Hebriden jemanden das zweite Mal triffst, hast du bereits einen neuen Freund.



Salzwiesen









Der Golfplatz von Harris.



Das Dach gehört dem Golf-Club.



Der Arme Kerl hat bei Wind und Regen den Golfplatz gemäht.



Moderne "Blackhouses"











Der Campsite in Horgabost liegt direkt an einem wunderschönen Stand. Praktischerweise gibt es sogar eine Bushaltestelle. So kommen auch Rucksackreise, die zelten wollen, problemlos zum Campsite.





Die Sanitäranlagen haben mir allerdings gar nicht zugesagt. Kann sein, dass sie mir ein andermal egal gewesen wären, aber gestern hatte ich da überhaupt keine Lust drauf, deshalb war wildcampen angesagt.





Ich dachte ja, mein Auto wäre chaotisch mit allem vollgestopft, aber die beiden toppen alles bisher gesehene. Nach langem Suchen hat er endlich das Board im Auto gefunden, denn sie wollte surfen. Außer den Surfbrettern, den Surfklamotten und Fahrrädern und was da sonst so drin steckt, war auch noch ein großer Fahrrad-Kindersitz im Kofferraum. Keine Ahnung, wo sie bei dem vollgestopften Auto das Kind versteckt hatten...



An der anderen Küste von Harris schaut es ganz anders aus.



Über eine Brücke gelangt man zu der kleinen Insel Scalpay. Vor der Brücke sollen angeblich die Otters crossen. Ich war aber zur falschen Zeit da und hab keinen gesehen.



Skalpay ist sehr klein, und wieder ganz anders als Lewis und Harris, sehr konzentriert. Jeder nutzbare Quadratmeter wird genutzt.





Als ich das Ende der Insel erreicht hatte und auf dem Wendeplatz die Aussicht genoss, kam die Skalpay Fahrschule vorgefahren. Die künftige Autofahrerin sollte neben mir parken, dann rückwärts mit Handbremse am leichten Hang wieder anfahren und wenden. Das klappte irgendwie nicht so richtig. Nachdem sie den Wagen dreimal abgewürgt hatte und dabei immer näher an meine Roadfun-Karre rutschte, hab ich ihr vorgemacht, wie das geht. Schnell den Rückwärtsgang eingelegt und zurück gesetzt, bevor sie auf mich drauf kracht.

Aber sie wollte nicht mehr. Statt den nächsten Versuch zu starten, wo sie doch nun wirklich viel Platz hatte, stieg sie aus und tauschte mit der Fahrschullehrerin den Platz, die für sie wendete. Später, als ich auf dem Rückweg war, kamen sie mir erneut entgegen. Wir grüßten uns bereits wie alte Freunde... Wahrscheinllich musste das arme Mädel die ganze Fahrstunde durch die engen Straßen (Single Road) von Scalpay auf- und abfahren, bis sie das Ausweichen und wieder Anfahren auf den steilen Straßen im Griff hatte.



Drama bei den Schafens. Das Lamm hat irgendwas verkehrt gemacht und ist nun (links) durch einen Zaun von seiner Mutter getrennt. Großes Geblöke und Palawer, alle kommen angerannt und wollen helfen. Sogar die Möwen sind als Ratgeber zur Stelle. Keine Ahnung, was die da wollten, aber es sah wirklich aus, als würden alle Tipps geben und gespannt verfolgen, was passiert. Die Zusammenführung kam dann glücklicherweise auch ohne meine Hilfe zustande.



Alle konnten wieder beruhigt nach Hause gehen...



Das Wetter... na ja...



Weil es sich gerade anbot, hab ich mal neue Fototechniken ausprobiert...





Keine Ahnung, für welche Deppen solche Schilder benötigt werden. Wer kommt denn auf die Idee auf dem Dach herumzuturnen?







Ich war wirklich traurig, als ich Lewis und Harris um 16 Uhr wieder verlassen musste. Ich hätte doch die Fähre am Sonntag nehmen sollen (Samstag war bereits ausgebucht). Die Inseln hatten es mir so angetan, dass ich kurz davor war, meine Reservierung ändern zu lassen. Aber die Rückfahrt nach Dover wäre dann sehr knapp geworden, die Anreise hatte ja schon mehr als drei Tage aufgebraucht...

Gegen 18 Uhr war ich wieder in Uig auf Skye. Die Überfahrt war ziemlich stürmisch, aber ging noch. Ab Uig war das Wetter dann voll grauslig. Trotzdem bin ich noch nach Glenale und Milovaig gefahren. Wegen meinem Freund, Herrn Otter. Der lässt sich dort regelmäßig blicken. Und er war auch da, in Milovaig am Pier hab ich seine Spuren gesehen. Nur wollte er sich bei dem Mistwetter leider nicht zeigen.

Als ich später am Abend den Campingplatz erreichte, goß es aus Eimern. Petrus wollte wohl einen Wasservorrat für die nächsten 20 Jahre anlegen. Das brachte mich auf die Idee, doch mal den Schirm aufzuspannen. Ich wurde trotzdem klatschnass, wobei ich in den Sturmböen fast mit dem Schirm abgehoben wäre. Also den Regenschirm kann man sich in Schottland getrost sparen, man hat nur einen nassen Schirm im Auto...

In der Nacht ging es dann sturmmäßig so richtig los. Es war wie eine Wiederholung der Überfahrt von Lewis nach Skye. Es hat so geschaukelt, dass ich halb seekrank war und mir Sorgen machte, dass das Auto  umkippen könnte. Den Gedanken an die anderen Camper, die teils Vorzelte an ihren Wagen hatten, hab ich mir verkniffen...

Aber das Gute nach dem Sturm ist, die Welt erfindet sich neu. Es gab am nächsten Morgen tatsächlich mal wieder Sonne und blauen Himmel. Der hatte sich zwar schnell wieder zugezogen, aber immerhin, hier und da, war etwas Blau zu sehen.



Auch die Sonne zeigte sich immer wieder mal für ein paar Minuten. Und es gab sogar kurze Pausen, in denen der Wind aussetzte, sodass ich tatsächlich mehrfach im T-Shirt das Auto verlassen konnte. Allerdings nie für lange. Entweder brauste der Wind wieder auf oder der nächste Regenschauer ging runter oder beides zusammen. So ist der April!

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