Gefangen auf Arran

Längere Studien der Straßenkarte und die Überlegung, wie die Heimfahrt trotz schlechtem Wetter noch interessant werden könnte, führten mich in die südlichen Lochs. Von hier gelangte ich via Hopscotch auf die Insel Arran. Und da saß ich dann wie auf Alcatraz fest.

Die Fähre für den Hop aufs Festland hatte für diesen Tag alle weiteren Fahrten eingestellt. Man vertröstete mich und zig andere Autofahrer auf den nächsten Tag. Ich konnte wählen, ob ich mitten in der Nacht, so gegen 5 oder um 8 Uhr nach Mainland übersetzen wollte. Alternativ hätte ich auch wieder zurück nach Lochranza fahren können, von dort mit der Fähre zurück nach Claonaig und auf endlosem Landweg um die ganzen Lochs rum. Nein Danke, wirklich nicht, soviel Spaß am Autofahren hatte ich dann doch nicht mehr.

Ich ließ mir einen Platz auf der Fähre um 8 reservieren und vertrieb mir den weiteren Nachmittag mit ein paar Einkäufen und der Inselerkundung. Der Tag hatte ähnlich angefangen, wie er endete - mit Einkäufen. In Oban trieb mich das schlechte Wetter in den nächsten Supermarkt, wo ich mich dem Lebensmittelstudium hingab: was gibt es hier, was es bei uns nicht gibt?



Das Lebensmittelstudium macht in Großbritannien großen Spaß, es gibt unglaublich viele Produkte, die wir noch nie gesehen haben. Zum Probieren kam u.a. ein Nestle Mintdessert namens "Aero" in den Einkaufswagen. Ich würd sagen: Viel Luft um nichts! Keine Ahnung, warum Nestle glaubt, die Menschheit braucht so ein "Nichts" aus einem Löffel Zucker, allerlei chemischen Zutaten und ein bisschen Minzöl. Es macht weder satt (war eh nicht zu erwarten), noch glücklich und gesund ist es per se nicht. Vom Gefühl her hat man nichts gegessen, nur ein Hauch von Minzgeschmack im Mund erinnert daran, dass da was gewesen sein muss. Also keine Empfehlung von mir.



Sehr interessant fand ich im Tesco die direkte Nachbarschaft von Porridge und Katzenstreu. Entweder kaufen Katzenhalter gerne Porridge (hm, für sich oder die Mieze?), oder Porridge wird auch zur Einstreu ins Katzenklo verwendet? Genauere Studien konnte ich aus Zeitmangel leider nicht durchführen.


Am Strand von Oban, wo Rossi deutlich mehr Spaß hatte als ich. Vielleicht hätte ich auch in ein Büschel Seegras beißen sollen und damit über den Strand rennen?


Da hat Rossi große Augen gemacht! Verrückter Labby - springt selbst bei grottigstem Wetter ins kalte (salzige - iiieh!) Meer, egal wie hoch die Wellen sind. Ich find allerdings, dass vor allem die Halter einen an der Waffel haben, bei dem Wetter Stöckchen ins Wasser werfen... Es ist April!!!



Nachdem ich mich schon ausgiebig über das schottische Wetter ausgelassen hab, muss ich jetzt auch mal was zur Outdoorkleidung 2014 sagen. Da herrschen vor allem die Farben Blau (siehe oben) und Pink (siehe nächstes Bild) vor...


Auch bei den Vierbeinern sind diese Farben total angesagt.



 Sehr aufmerksam, ein Mützchen für die elderly Peoples...












Hier begann meine Gefangenschaft auf Arran: Die Fähre kommt.


 Die Überfahrt war hübsch wild, aber glücklicherweise nur kurz. Irgendwie hat jede schottische Insel etwas ganz besonderes. Auf Arran sind es unter anderem Hirsche - man trifft sie überall - selbst mitten in der Ortschaft! Und scheu? Ach Iwo! Sie stehen direkt neben der Straße und lassen sich nicht im geringsten beim Äsen stören.






Das Schild stimmt zu 100%!



Arran ist eine schnuckelige kleine Inseln, mit rund 5.000 Einwohnern und süßen Häusern. Sehr beliebt auch als Ferieninsel, denn dank Golfstrom ist das Klima so "mild", dass sogar Palmen und andere kälteempfindliche Gewächse wie Kamelien auf Arran gedeihen.






Die Kids bauen gerade ein Floß.


Wie es sich für schottische Inseln gehört, hat Arran natürlich auch eine kleine Distillery. Im Alter ist sie verglichen mit Talisker noch ein Baby. Sie wurde 1991 gebaut, seit 2001 wird der Arran Whisky verkauft. Arran hatte früher schon mal eine Distillery, die wurde allerdings nach nur 12-jährigem Betrieb 1837 geschlossen.







Schafe dürfen nirgends fehlen.








Da standen wir dann also im strömenden Regen und konnten die Fähre anschaun, die nicht mehr fahren wollte...


Nach dem Shopping kam wenigstens die Sonne raus und der späte Nachmittag wurde noch richtig schön.




Im Osten von Arran liegt "Holy Island". Hier hatte sich der irische Mönch Saint Molaise im 6. Jahrhundert in einer Höhle verschanzt und als Eremit ein frommes Leben geführt. Nach dem Auftreten irgendwelcher Mirakel wurde er postmortem heilig gesprochen.

Das putzige an "Holy Island" ist, dass sie heute dem tibetischen Lama Yeshe Rinpoch gehört, der auf Holy Island (welch treffender Name und Ort) ein "Centre for World Peace and Health" gegründet hat. Das Centrum bietet sogenannte "Rückzugskurse" an mit Yoga, Meditation, Qi Gong usw. Von April bis Oktober sind auch "normale" Urlauber willkommen.

Falls jemand gerade einen Job sucht, für 2014 wird noch ein vegetarischer Koch, ein Gemüsegärtner und Housekeeper gesucht.


Isle of Pladda im Südwesten von Arran.






Selbstgemachter Stone-Zirkel aus Beton.


Das letzte Bild des Tages.

Am nächsten Tag konnte ich meinen Zwangsaufenthalt beenden und die Isle of Arran wieder verlassen.





Warten auf die Fähre. Rossi schläft halb auf meinem Oberschenkel und umklammert dabei die Gangschaltung



Kaum fahr ich nach Hause, bekommen wir richtig gutes Wetter!



Die Fähre kommt.



Einkaufen in Ardrossan. Damit sich die Schotten nicht gleich in der Früh betrinken, ist die Alkohlabteilung morgens gesperrt.



Die Fähre fährt wieder nach Arran.