Wie man in Irland ein Ferienhaus kapert

In der ersten Ferienwoche im Sommer 2008 waren wir wie die Gypsies durch Irland getingelt. Übernachten irgendwo am Straßenrand, Waschen im Bach, Picknick auf der Friedhofsmauer... In der zweiten Woche kaperten wir ein Ferienhaus und wurden sesshaft.

Irgendwo in einem düsteren Internet-Cafe mit ebensolcher Musik hatte ich uns ein Ferienhaus für die zweite Woche geschossen. Wir hatten nur bescheidene Ansprüche, nicht zu hässlich, nicht zu teuer und nicht zu weit von Cork entfernt, da wir Malis vom Flughafen abholen mussten. Und Meernähe war ebenfalls gewünscht.



Die Bezahlung lief über Kreditkarte, Wegbeschreibung und Adresse ausgedruckt und wir machten uns auf den Weg gen Süden. Im Optimalfall könnte ich die Geschichte schnell erzählen: Haus erreicht, und wir waren glücklich, nach den Nächten im Auto wieder in einem richtigen Bett zu schlafen. So ist die Geschichte aber nicht gelaufen. Erstmal kaperten wir uns ein Ferienhaus.

Das Haus hatten wir bei einem größeren Ferienhausanbieter gemietet, der in ganz Irland Ferienhaussiedlungen verwaltete. Die ersten Probleme traten auf, als wir in Youghal angekommen feststellten, dass die Wegbeschreibung gar nicht zu der Adresse des gemieteten Ferienhauses passte. Weil wir es nicht finden konnten und weil es uns eh nicht so übermäßig gut in Youghal  gefiel, beschlossen wir, dass wir falsch gefahren waren und unser Ferienhaus doch nicht in Youghal (siehe nächstes Foto) sondern in Glengarriff war.



Also zurück, wieder an Cork vorbei und dann nach links. Nach 150 km waren wir endlich am Ziel. Die Feriensiedlung unseres Vermieters fanden wir in Glengarriff auf Anhieb. Die Wegbeschreibung passte. Allerdings hatte niemand in Glengarriff mit unserer Ankunft gerechnet. Die Mitarbeiterin, die für die Hausübergabe zuständig war, war Freunde oder Verwandte besuchen - im 80 km entfernten Cork, wo wir gerade hergekommen waren. Ihre Nummer hatte sie für den Notfall im Fenster des geschlossenen Office hinterlassen. Wir fanden, dass es ein Notfall war und informierten sie, dass wir da waren, um unser Haus zu beziehen.



Die Arme fiel aus allen Wolken. Wieso waren wir da und wieso wollten wir ein Haus? Sie wusste von nichts. Die Telefonate gingen ein bisschen hin und her. Sie rief bei der Vermietungsgesellschaft an, konnte dort keinen mehr erreichen, rief mich wieder an und versprach, dass sie etwa in einer Stunde da sein würde, um uns den Schlüssel zu geben. Wir sollten uns derweil ein bisschen im Ort umsehen.

Das war schon alles leicht komisch, aber wir dachten nicht weiter als bis ins Haus rein, wo wir als erstes unter die Dusche wollten. Die Ferienhaus-Siedlung und der nette kleine Ort waren entzückend. Da hatte ich ja was richtig tolles geschossen, obwohl es auf den Fotos ganz anders ausgesehen hatte. Und das Haus stand nicht da, wo wir gedacht hatten, dass es stehen würde, aber egal, es war toll.

Die Verwalterin kam, war noch immer durch den Wind und entschuldigte sich vielmals. Abgesehen von unserem ungeplanten Erscheinen wusste sie auch nicht, wo sie uns jetzt unterbringen sollte. Ach, sie gibt uns ein großes Haus, quasi als Entschädigung für das Durcheinander. Uns sollte es recht sein.

Als wir das Haus betraten, bekamen wir große Augen. WOW! Vier luxuriöse Schlafzimmer und jedes davon mit einem riesigen luxuriösen Badezimmer. Darin verschwanden wir, kaum dass wir die Rucksäcke und unsere Lebensmittelvorräte ins Haus gebracht hatten. Wie herrlich kann eine Dusche sein!. Etwa nach einer Stunde tauchte jede aus ihrem Bad wieder auf und wir brieten uns was Leckeres aus unseren Vorräten zusammen. Wieder eine Küche! Und so eine schöne. Und das Wohnzimmer - dicker weicher Florteppich, in dem man fast bis zu den Knöcheln versank. Wir beglückwünschten uns mehrfach, welch tolles Haus wir ergattert hatten.

Die Ernüchterung kam am nächsten Morgen. Die Verwalterin brachte die schlechte Nachricht, dass wir wieder ausziehen mussten. Sie hatte Recht gehabt, wir Unrecht. Wir waren in der verkehrten Ferienhaussiedlung eingefallen (halt immer der Wegbeschreibung nach, auch wenn die nicht zur Adresse passte). Dies war nicht unser Haus: Unser Haus stand in Youghal und da mussten wieder hin.

Ein bisschen war uns nach Heulen und noch viel mehr nach Lachen. Wir hatten ein Haus gekapert! Peinlich war es uns natürlich auch (noch peinlicher als die Sache mit den pochierten Eiern). Die arme Frau war nur wegen uns Hals über Kopf aus Cork zurückgekommen. Und nun hatte sie auch noch ein angeschmutztes Haus mit benutzter Bettwäsche und zusätzliche Arbeit. Wir halfen ihr schnell, alles wieder auf Vordermann zu bringen. Glücklicherweise waren wir gestern zu müde gewesen, um das Haus richtig in Beschlag zunehmen, so war außer Betten beziehen und Bad putzen nicht viel zu tun.




Unser richtiges Haus war ein kleines graues Einfamilienhaus in einer grauen Reihenhaussiedlung oberhalb von Youghal. Bis in den Ort oder bis ans Meer war es ein ziemlicher Fußmarsch. Irgendwie war es eine komische Lage für eine "Ferienhaussiedlung"



Statt im Luxus wohnten wir nun in der unteren Mittelklasse mit hauchdünnen Wänden. Das Haus war ja nicht soooo schlecht, aber eben auch nicht so schön wie das, das man uns gerade genommen hatte.

Die Einrichtung war zweckmäßig aber lieblos und in Sparversion. Die arme Malis, die ja wirklich nichts dafür konnte, durfte sich nun die ganze Woche anhören, wieviel schöner es in dem falschen Haus gewesen war. Ja so ist, das halt, für mehr Geld bekommt man auch ein schöneres Haus!






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