Das große Hollerblütensirup-Experiment

Ich bilde mir gerade ein, dass ich nichts anderes trinken kann, als den wunderbaren Fläderblomsaft (Holunderblütensirup), von dem mir meine schwedische Freundin zu Weihnachten zwei Flaschen geschenkt hat. Der war sowas von gut. Himmel! Ich hätte "Ja" sagen sollen, als mir mehr davon angeboten wurde - bescheuerte Bescheidenheit! Nun bin ich verzweifelt auf der Suche nach einer Alternative.


Dummerweise gibt es gerade überhaupt keinen blühenden Holunder, dass ich mir selber Fläderblomsaft aufsetzen könnte. Deshalb such ich einen Sirup, der zumindest beinahe so gut schmeckt, wie der von meiner Freundin.

Gestern hab ich deshalb einen Großeinkauf gestartet und alles in den Einkaufswagen gepackt, auf dem Holunderblütensirup drauf stand.



Um herauszufinden, welcher Sirup dem schwedischen Fläderblomsaft geschmacklich am nächsten kommt, hab ich so ne Art Blindverkostung durchgeführt. Eine Blindverkostung mit sich selber ist natürlich Quatsch:

1. Weil man nicht wirklich blind dafür ist, was man in die Gläser gefüllt hat.

2. Hätte ich damals im Studium ein paar Sensorik-Seminare belegen sollen, dann hätte ich jetzt auch ne Ahnung, wie ich das Gerochene und Getrunkene fachgerecht beschreibe. Hab ich also nicht.

Es gibt aber trotzdem einige Erkenntnisse: Der Preis garantiert keinen guten Geschmack. Und zwei von den Sirups (oder Sirupen?) kann man getrost in die Tonne hauen, das ist nur Zuckerwasser mit minimalem Geschmack.

Außerdem hab ich entdeckt, dass Österreich DAS Herstellerland von Holunderblütensirup ist.

Erstmal hab ich von jedem Sirup einen Esslöffel voll in eine Tasse gefüllt. Eigentlich gibt es dafür spezielle Verkostungsgläser, aber ich hatte nicht mal 6 normale Gläser von der gleichen Sorte, deshalb wurden es Kaffeetassen, was meine Profi-Blindverkostung noch "professioneller" macht.

Ich hatte meine Favoriten eigentlich bei den Teueren erwartet. Gerade von d'arbo hatte ich mir viel erhofft. Zwei aus dem mittleren Preissegment fand ich am besten - der von Mautner und Eckes Granini Austria.

Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, wie ich den ganzen Sirup (der mir nicht schmeckt) weggetrunken bekomme…


Das ist das schwedische (ICA) Rezept für
4 Liter selbstgemachten Holunderblütensirup:

50 große Dolden Holunderblüten
4 ungespritzte Zitronen
4 Liter Zucker (Litermaß nehmen)
100 g Citronensäure
3 Liter Wasser

Die Holunderblüten mit lauwarmen Wasser gründlich waschen und abtropfen lassen. Zitronen waschen und in Scheiben schneiden. Die Blüten und Zitronen mit dem Zucker und der Citronensäure in einen Eimer schichten. Mit dem kochenden Wasser übergießen. Das ganze 2 Tage bei  Raumtemperatur im Zimmer stehen lassen und dann zwei weitere Tage im Kühlschrank. Den Saft in Flaschen füllen und kühl halten.

Man kann den Saft auch einfrieren, dann kann man den Zucker etwas reduzieren.



Nachtrag Juni 2016:
Diesmal hab ich die Hollerblüte nicht verpasst und Zentnerweise Blüten gepflückt und zu Sirup verarbeitet. Kleine Übertreibung. Etwa 10 Liter sind es wohl geworden.

Das Rezept ist ja einfach, aber ich war erstmal endlos unterwegs, bis ich die erforderlichen Zutaten beisammen hatte. Zuerst fehlten mir die ungespritzten Zitronen. Dann ging mir die Zitronensäure für den zweiten Ansatz aus. Da hatte ich keine Lust mehr, wieder alle Läden abzuklappern und hab den Nachschub direkt via Internet geordert.

Auf die Zitronenscheiben kann man in dem Sud glaub ich auch verzichten. Der meiste Zitronengeschmack kommt eh von der Ascorbinssäure.

Noch ein Hinweis: Wenn man den Sirup auf den Boden verkleckert, muss man 4-5 Mal drüberputzen, bis der Boden nicht mehr klebt.