Eigentlich hatte ich gedacht, oder geplant, oder es für klug befunden… dass ich mir nach Rossi erst mal keinen neuen Hund zulege. Vielleicht wieder, wenn ich kurz vor der Rente bin oder so. Ich wollte noch einige Fernreisen machen, Neuseeland, Australien, Kanada, Argentinien… Und das ist mit Hund ja doof. Aber ohne Hund ist einfach alles noch doofer. Und jetzt ist vor 2 Tagen Oskar eingezogen. Ging plötzlich ganz schnell… Mit uns beiden Zweibeinern kommen wir somit wieder auf 12 Pfoten 🙂

Ich weiß, er sieht Rossi sehr ähnlich. Das ist natürlich kein Zufall… Ich wollte gerne wieder das gleiche Hunde“Model“, weil es einfach gut gepasst hat. Er ist aber um einiges größer und kompakter, sein Schädel ist breiter, sein Fell lässt eine (sehr entfernte) Kangal Verwandtschaft vermuten, es ist sehr sehr dicht und winterfest. Vielleicht lass ich mal einen Gentest machen, würde mich schon interessieren, was alles in ihm drinsteckt. Ich bin mir relativ sicher, dass er Terrierfrei ist. Er ist jedenfalls viel entspannter als Rossi. Natürlich ist er im Moment noch sehr unsicher und erschrickt schnell – wer wäre das nach 8 Monaten in einem rumänischen Tierheim, 2 Tagen im Transporter und 2 Wochen auf einer (sehr netten) Pflegestelle nicht? Und kaum hat er sich halbwegs eingewöhnt, muss er schon wieder 3 Stunden Autofahren und noch mal neue Menschen und Lucky kennenlernen? Da wäre ich auch nicht der super entspannte Sonnenschein.
Oder nee, falsch formuliert. Er ist ein super entspannter Sonnenschein, aber einige Sachen machen ihm halt noch Angst. Zum Beispiel, wenn ich mit ihm nach draußen will – man weiß ja nicht, was dann passiert. Nicht noch mal neue Menschen!!! Um mein Auto macht er auch einen großen Bogen, das Geräusch der Transportertüre macht ihm Angst. Aber wir haben heute drin sitzen geübt. Nach kurzer Überlegung hat er sich hingelegt und sich dann an mich gekuschelt. Am Nachmittag sind wir zum Freizeitpark gefahren. Ein Hund, der beim Autofahren ganz entspannt neben mir liegt und nicht hechelt oder nervös hin und herläuft. Eine Sensation!

Oskar und Lucky geht auch gut. Das heißt, Lucky denkt wahrscheinlich, warum das denn jetzt? Wir hatten es doch so schön zu zweit??? Er hat ein bisschen Sorge, dass Oskar tolpatschig ist und auf ihn drauf trampelt. Deshalb hält er vorsichtshalber Abstand, bis er weiß, es besteht keine Trampelgefahr.
Ja, warum wollte ich überhaupt wieder einen zweiten Hund? Lucky ist ein super lieber Kerl und obwohl er mich ganz doll lieb hat, geht er weitestgehend seine eigenen Wege. Er ist mehr wie eine Katze als ein Hund. Man kann ihn mal kurz streicheln und auf den Arm nehmen, aber dann hat er genug und will wieder seine Ruhe haben. Oskar hängt schon nach 2 Tagen mehr an mir und kommt besser auf Rufen als Lucky in 1,5 Jahren.
Aber Lucky lernt auch von Oskar. Er hat sehr wohl realisiert, dass Oskar viel um mich herum ist und gestreichelt wird. Auf einmal ist er auch sehr viel um mich herum und möchte gestreichelt werden. Schläft sogar in meinem Bett!!! Und jetzt sitze ich auf meinem Schreibtischstuhl, schreibe diesen Beitrag und Lucky liegt unter meinem Schreibtisch. Wo er noch nie war, bis Oskar es zu seinem Schlafplatz deklariert hat.

Oskar liegt derweil hinter meinem Stuhl… Vorne ein Hund, hinten ein Hund…

Aber eigentlich wollte ich ja gar keinen Hund…. In dem Moment, als ich überhaupt nicht nach Hund geschaut habe, sondern nur meine Anzeigen auf Kleinanzeigen aktualisieren wollte, lacht mich ein Samojede an. Sah aus wie unser Nisse.

An einen Samojeden hatte ich überhaupt nicht gedacht. Auf einmal fand ich, das ist ein sehr schöner Gedanke. Unser Nisse war so unkompliziert und anspruchslos. Das würde gut passen. In dem Moment, als ich überhaupt nicht an Hund gedacht habe, mache ich mich dran und schreibe der Besitzerin, dass ich sehr an ihrem Hund interessiert bin. Die Kommunikation lief sich gut an. Bis ich Lucky erwähnte und sie fragte, ob ich ihn zum Kennenlernen mitbringe. Äääääh, nee. Lucky nach 5 Stunden Autofahrt, in fremder Umgebung mit einem fremden großen Hund, das könnte gar nicht gut gelaufen. Er würde einen auf Terror-Terrier machen und das wär’s dann gewesen. Fremder Hund in unserem Haus ist dagegen überhaupt kein Problem. Das hat sie nur leider nicht geglaubt. Ende vom Samojeden.
Danach war mein Wunsch nach einem zweiten Hund so groß, dass ich nun doch aktiv gesucht habe. Alle Hunde der Tierheime in unserer Gegend (online) angeschaut. Zu groß, passt nicht zu uns ins Haus, zu alt, zu pflegeaufwendig oder zu arbeitsaufwendig…
Dann hab ich eine junge Hündin im Ausland Tierschutz gefunden, sie sah aus wie Rossis kleine Schwester, als er in dem Alter war. Herzschmerz, feuchte Augen… Soooo süß. Alle Alarmglocken auf lautlos gestellt – ich möchte sie sooo gerne haben. Sie sollte über einen ehrenamtlichen Tierschutzverein vermittelt werden, der Hunde aus dem Osten nach Deutschland bringt. Aber der Verein hatte kein Impressum auf seiner facebook Seite. Kein Name, kein Ansprechpartner, keine Adresse. Und dann sollte die Hündin aus Belarus kommen. Nicht gerade mein Lieblingsland. Ich mein, nachdem ich 2 x in Rumänien war und angesehen hab, wie die Leute da mit ihren Hunden umgehen, gehört Rumänien auch nicht zu meinen Lieblingsreisezielen. Aber Belarus ist noch mal eine andere Nummer.
EGAL, Alarmglocken aus, ich wollte diesen Hund. Also eine Email geschrieben, dass ich an dem Hund sehr interessiert bin. Sehr schnell Antwort von Sandra bekommen (kein Nachname, keine Adresse, kein Telefon). Sandra schreibt, dass sich Irene bei mir telefonisch melden wird. Whatsapp Nachricht von Irene bekommen. Wir haben uns getextet und für den nächsten Tag zum Telefonieren verabredet. Ich dachte, ich sag mal, dass ich gerne das Impressum des Vereins hätte. Darauf bekam ich von Sandra per Email eine wischdiwaschdi Antwort, dass sich der Verein gerade neu strukturiert, dass sie alle ehrenamtlich arbeiten, dass sie an einen anderen Verein von der Frau Sowieso angeschlossen sind. Sie hätte mir ja wenigstens den Verein und die Internetadresse der Frau Sowieso nennen können. Nein, ich musste auch noch nach Frau Sowieso googeln. Zumindest war sie eine existente Person.
Am nächsten Tag mit Irene gesprochen, die sehr geschult telefonieren konnte. Irene hat dann zumindest ihren Nachnamen rausgerückt. Wo sie wohnt, keine Ahnung. Ich wollte unbedingt diesen Hund. Hab mit anderen Leuten gesprochen, die ebenfalls Hunde aus dem Ausland haben (tolle Hunde nebenbei bemerkt) und hab mich dann entschieden: Ich mach es. Trotz Belarus und ohne Impressum. Bezahlt werden sollte auch erst bei der Übergabe. Also Sandra und Irene die geforderte Selbstauskunft geschickt und informiert, dass ich die Hündin gerne hätte. Drei Tage nix gehört und drei Tage Bauchweh gehabt. Wegen Belarus und dem fehlenden Impressum. Dann dachte ich, fragste mal vorsichtig nach, ob du noch im Rennen bist. Weil ich nach dem Impressum gefragt hatte und als Beruf Redakteurin angegeben habe, hatten die vielleicht Schiss, dass ich an einer Enthüllungsstory arbeite. Ich bekam eine Antwort und die Info, dass sie alle ehrenamtlich arbeiten, Jobs und Familie haben und gerade erstmal ein Transport organisiert werden musste. Klingt einleuchtend, klang aber nicht sonderlich nett. Unterton: Nerv nicht rum!
Bauchweh noch schlimmer geworden. Eigentlich will ich nicht, dass mir Sandra und Irene einen Hund aus Belarus organisieren. Noch mal alle Tierheime, ob ich da nicht den richtigen Hund finde. Auf Kleinanzeigen bin ich dann auf Oskar gestoßen. Auch über einen Tierschutz Verein für Auslandshunde. Es war Donnerstag Abend. Es gab eine Telefonnummer zum anrufen und J. hatte einen Vor- und Nachnamen. Wir haben länger telefoniert, sie hat mir via Whatsapp einen Haufen Fotos und Videos geschickt. Mein Gefühl: MEIN OSKAR! Der Verein hat ein Impressum und Oskar war bereits in Deutschland, nur knapp 250 km entfernt. Ich wollte ihn gerne kennenlernen und wir haben uns direkt für Samstag verabredet. Wegen der längeren Anfahrt hatte J. dann die kluge Idee, dass man ja vielleicht die Vorkontrolle direkt am Freitag (morgen!) machen könnte. Denn wenn alles ok. ist, könnte ich ihn direkt mitnehmen und würde mir eine 2. Fahrt sparen.
Nach dem Telefonat, dem Whatsapping und der Selbstauskunft hab ich Belarus sofort abgesagt. Auf einen Schlag waren die Bauchschmerzen weg. Ich bin traurig, dass ich der kleinen süßen Hündin kein neues Zuhause geben kann. Aber alles andere hat einfach nicht gepasst. Ich hab den Mädels auch geschrieben, dass die fehlenden Nachnamen / Ansprechpartner der ausschlaggebende Grund für meine Umentscheidung waren. Und dass ich, wenn ich geschäftlich mit jemanden in Beziehung trete, erwarte ich, dass sich derjenige zumindest mit Vor- und Nachnamen vorstellt. Ich bekam eine lange Antwort, die ich ehrlich gesagt, nur kurz am Handy überflogen habe. Nachdem ich gelesen hatte, dass sie mir den Hund ja nicht verkaufen, sondern dass ich ihn lediglich adoptiere (als ob dafür andere Regeln gelten würden) hab ich mir den Rest gespart. Die Entscheidung war für Oskar gefallen, das Gefühl war gut und vor lauter Aufregung konnte ich kaum schlafen.
Die Vorkontrolle am Freitag lief gut. Am Samstag hab ich Oskar abgeholt. Wir haben vor der Übergabe einen längeren Spaziergang mit ihm gemacht und er hatte erst mal ordentlich Schiss vor mir. Er wollte nicht näher kommen und hat selbst das mitgebrachte Hühnchen ignoriert. Aber er hat immer wieder neugierig zu mir rüber geschaut, und langsam wurde der Abstand zwischen uns geringer. Nach einer Weile konnte ich dann die Leine übernehmen und er ist lieb neben mir hergelaufen. Ich konnte mir allerdings nicht vorstellen, dass wir ihn ohne Gezeter in mein Auto bekommen, aber er wurde ohne viel Fackeln auf den Sitz gehoben und angeschnallt. Er hat während der ganzen 3-stündigen Fahrt nicht einmal gejammert! Weder gebellt, noch gejault, noch rumgehampelt. Er hat ein bisschen aus dem Fenster geschaut, dann hat er sich hingelegt, hat sich an mich gekuschelt und geschlafen. Ich hab noch nie einen so entspannten Hund im Auto gehabt. Wenn ich da an Rossi denke… Und Lucky ist auch kein großer Freund des Motorsports.

Zuhause angekommen ist er ohne Probleme aus dem Auto ausgestiegen und nach einem kurzen Spaziergang ins Haus rein. Und nun ist er da.
Unser OSKAR!
PS. Dass Oskar aus Rumänien kommen ist für mich eine kleine Wiedergutmachung an dem kleinen Hund, der damals so gerne in mein Auto eingestiegen wäre, und den ich auch sehr gerne mitgenommen hätte, aber nicht konnte. Ich denke immer noch an ihn und könnte heulen, dass ich ihn da lassen musste.
